KOMMENTAR
SEFF DÜNSER seff.duenser @
vn.vol.at 05572/501-264
Wirkt die Vergangenheit in die Gegenwart hinein? Das ist die
entscheidende Frage, auch wenn es um unsere nationalsozialistische
Vergangenheit geht. NS-Aufarbeitung macht dann Sinn, wenn ein
Zusammenhang von Vergangenem und Gegenwärtigem erkannt wird.
Vorarlberg neigt dazu, seine jüngere Geschichte lieber ruhen zu
lassen. So konnten Vorarlberger NS-Massenmörder wie der Bregenzer
Irmfried Eberl und der Silbertaler Josef Vallaster in ihrer Heimat bis
vor Kurzem unbekannt bleiben. Täter passen nicht zur NS-Opferrolle, in
die Vorarlberg und Österreich geschlüpft sind.
Verdrängte Täter-Energie ist dem Land anzumerken. Der noch nicht
verarbeitete Krieg ist noch immer nicht vorbei, in den Seelen der
Menschen wirkt er weiter. NS-Aufarbeitung bedeutet, hinzusehen auf das,
was damals war, auf die Opfer und die Täter, am besten mit Mitgefühl.
Moralisches Verurteilen von Tätern bringt uns dabei nicht weiter,
sondern hält uns in der Vergangenheit gefangen. Täter haben ihre
Verantwortung selbst zu tragen, wir Nachfahren unsere eigene.
Zur Verantwortung der jetzigen Generation zählt, sich zu fragen, was
man von Tätern wie Josef Vallaster lernen kann. Man könnte sich auch
wiedererkennen in Josef Vallaster, übersetzt auf andere
gesellschaftliche Umstände und friedlichere Zeiten: Wie wirkt in mir
das Dunkle? Wo und wie bin ich grausam zu anderen Menschen und zu mir
selbst?
Damit der Krieg sechs Jahrzehnte später endlich enden kann, auch in
den Seelen der Menschen.
