Kurt Greussing: Vom "guten König" zum Imam. Staatsmacht und Gesellschaft im Iran

1987, 392 Seiten, kt., ISBN 3-900754-03-9, öS 589,- / € 42,80

 

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Die Folgen der iranischen Revolution von 1978/79 werfen Fragen auf, die sich nicht auf ein Verständnis allein der religiösen Traditionen beschränken lassen. Welche Rolle spielte die Staatsmacht in der islamischen Geschichte des Iran für die (Unter-)Entwicklung der Gesellschaft? Wie verhielten sich Staat und Gesellschaft zueinander?

Die vorliegende Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, daß im Iran sich weder Traditionen feudaler Herrschaft nach (west)europäischem Muster noch solche einer "asiatischen Produktionsweise" mit einem zwar despotischen, aber die gesamtwirtschaftliche Vernunft verkörpernden Staat (à la China) herausgebildet haben. Die Modernisierungsdiktaturen der beiden Pahlavi-Schahs (1921-1979) standen in der Kontinuität einer spezifisch iranischen despotischen Herrschaft, gestützt auf das externe Einkommen aus der Öl-Produktion.

Antidespotische Volksbewegungen in der Geschichte des Iran waren nur zu oft von Weltbildern geleitet, die mit ihrer Idee des "guten Königs" - oder des Imam -, der alle Ungerechtigkeit zu einem Ende bringen werde, lediglich das Kehrbild der bekämpften Despotie formulierten. Aktuelle shi'itische Staatsphilosophie folgt durchaus solcher Tradition. In deren Bann stehen selbst die (islamischen) Gegner des jetzigen iranischen Regimes.

 

Inhalt

Umschrift und Zitierung 6
Vorwort 11
Einführung 14
I. Iranische Despotie - Ökonomie und Herrschaft 23
I.1. Die iranische Gesellschaftsformation: Feudal, asiatisch-despotisch, arid-isoliert oder was sonst? 25
I.2. "Feudalismus" im Iran - Feudalismus im mittelalterlichen Europa 30
I.3. "Asiatische Produktionsweise" 39
I.4. Iranischer Despotismus und "arid-isolierte" Gesellschaft 49
I.5. Staat und Gesellschaft des Iran bis zur Modernisierung im 20. Jahrhundert 54

I.5.1.   Konstituierung und Institutionalisierung staatlicher Herrschaft 55

I.5.2   Der reale Despotismus: iranische Karrieren 69
II. Bruchstellen - Kontinuitinuität der Herrschaft und gesellschaftlicher Wandel von 19. zum 20. Jahrhundert 83
II.1. Die Gewerbe- und Agrarkrise des 19. Jahrhunderts 85
II.2. Die Babi-Bewegung 1848-1852: Vom Kaufmannsprotest zur Unterklassen-Revolution 99
II.3. Demokratische versus despotische Modernisierung: Verfassungsbewegung und Reza Shah Pahlavi 113
III. Iran 1941-1981: Krise der Despotie - Krise des Antidespotismus 137
III.1. Der Einmarsch der Alliierten: Neue sozio-politische Kräfte im Konfliktfeld der Großmächte 140
III.2. Die Tudeh-Partei 152
III.3. Exkurs: Azeris und Kurden - Ethnizität und Politik 1946 157
III.4. Iranische Innenpolitik 1946-1953: Kampf gegen die Despotie - Ringen um nationale Unabhängigkeit 173
III.5. Wachstum der Wirtschaft - Entwicklung der Ungleichheit: Die iranische Ökonomie in den sechziger und siebziger Jahren 192
III.6. Soziale Kräfte in der Volksbewegung 1977-1979 211
III.7. Islamische Macht - islamischer Staat 224
IV. Vorstellungen von Staat und Wirtschaftin der zeitgenössischen Iranischen Shi'Ah
IV.1. Orthodoxie und Dissens im shi'itischen Islam 248
IV.2. Religiöse Motive in der iranischen Revolution seit 1978 258
IV.3. Konzeptionen von Staat und Herrschaft 267

IV.3.1.   Khomaynis "velayat-e faqih" 270

IV.3.2.   "Göttliche Einheit" und Nicht-Herrschaft 288
IV.4. Shi'itisch-islamische Wirtschaft 297

IV.4.1.   Positionen der traditionellen Theologie 298

IV.4.2.   Positionen sozialradikaler Modernisten 302

IV.4.3.   Perspektiven shi'itischer Systeme der politischen Ökonomie 309
IV.5. Schlußbetrachtung: Re-Islamisierung, islamischer Antiimperialismus und Imamat 313
Anmerkungen 322
Glossar 351
Literatur 355
Register 384