12.05.2026: Vortrag und Diskussion: Scheitern wir erfolgreich?
Gedenkinitiativen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen waren in den letzten Jahrzehnten ungemein erfolgreich. Die Geschichte der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Befreiungsfeiern und Gedenkfeiern sind bevorzugt im Jänner, Mai und November gut besucht und medial präsent. Nicht nur in den Schulbüchern, auch in den allgemeinen Medien finden sich die Massenmorde an den Jüdinnen und Juden, Romnja und Roma und an den vielen weiteren Menschengruppen zumeist angemessen dargestellt. Kein Vergleich zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wir sind erfolgreich.
Doch gleichzeitig baut sich die Kritik auf. Wie kann es sein, dass der Antisemitismus noch immer Jüdinnen und Juden bedroht? Warum schwappen aus den sogenannten sozialen Medien Holocaustleugnung und Neonazi-Denken immer wieder in unsere geordnete Gedenkwelt? Auch das „Niemals wieder“ und die Unverbrüchlichkeit der Menschenrechte scheinen heute so ganz und gar nicht gesichert.
Ist unser Erfolg also ein Schein-Erfolg und scheitern wir erfolgreich?
Werner Dreier, Historiker, arbeitete als Lehrer und in der Lehrerbildung, leitete 2000 bis 2021 _erinnern.at_ (Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart). 2001-2022 Teil der österreichischen Delegation zur International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) an, wo er Mitglied der Education Working Group war. Leitung von Forschungs- und Publikationsprojekten, u.a. zum historischen Lernen mit ZeitzeugInnen-Videointerviews; langjähriger Gutachter für Geschichtsschulbücher; publizierte u.a. zu Antisemitismus und zu Fragen des Lernens über Nationalsozialismus und Holocaust sowie zur Vorarlberger Regionalgeschichte.
Freier Eintritt.