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Meinrad Pichler: Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer - Täter - Gegner

Innsbruck: StudienVerlag 2012 (= Band 3 der Reihe "Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern", herausgegeben von Horst Schreiber im Auftrag von _erinnern.at_), 416 Seiten, fest gebunden, mit 260 Abb., Orts- und Personenregister sowie Glossar, ISBN 978-3-7065-5030-7, € 24,90


Pichler - Cover-NS

 

Die Geschichte der nationalsozialistischen Herrschaft in Vorarlberg wird hier zum ersten Mal zusammenfassend dargestellt. Den Schwerpunkt bilden 43 biografische Skizzen von Menschen, die die NS-Zeit als Täter, als Opfer oder als GegnerInnen erlebt haben. 280 kommentierte und zum Teil bisher unveröffentlichte Bilder vermitteln eine Vorstellung von den politischen Inszenierungen der Machthaber einerseits und der Realität von Verfolgung und Krieg andererseits.

Meinrad Pichler verbindet in dieser Darstellung ganz individuelle Schicksale mit den Strukturen der nationalsozialistischen Herrschaft in Vorarlberg. Das eröffnet einen ungewöhnlichen ‑ nämlich in der Tat sehr persönlichen ‑ Zugang zu einer Epoche, die im kollektiven Gedächtnis und im aktuellen politischen Diskurs des Landes nachwirkt wie keine andere.

 

Leseprobe

Für allgemeine Fragen der Arbeitswelt und des Freizeitbereichs ist nun die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) zuständig. Nur noch der „Schlaf ist Privatsache“, erklärt Robert Ley, der oberste Chef der DAF, den Wunsch der NSDAP nach einem totalen Zugriff auf die arbeitenden Menschen. Mit einem nie dagewesenen Aktionismus wird die Arbeitnehmerschaft auf ideologischem Trab gehalten: Appelle, politische Schulungen, gemeinsame Freizeitgestaltung, Urlaubsfahrten und Sportveranstaltungen, Luftschutzübungen, Schießabende und Flickstunden stehen auf dem Programm. Nach dem Abklingen der ersten Begeisterung verweigern immer mehr Menschen die fremdbestimmte Betriebsamkeit und müssen durch Drohungen und Strafen zur Teilnahme gezwungen werden. In etlichen Betrieben wird zur Aufrechterhaltung der „Arbeitsdisziplin“ bereits 1939 nach der Gestapo gerufen. (S. 114)

 

Presseecho

Interview in "Wann & Wo", 7. Okt. 2012
Interview in "KichenBlatt Vorarlberg", 18. Okt. 2012
Bericht in VN, 20./21. Okt. 2012
Bericht in "neue", 21. Okt. 2012
Rezension in "KULTUR", Nov. 2012
Rezension in DÖW-Mitteilungen, März 2013


Präsentationen 

22.10.2012 - 23.05.2013

 

Textauszug

Bruno Amann - Der antisemitische Schreibtischtäter

 

Inhalt

 

Editorial                        

Werner Dreier, Horst Schreiber: Vorwort    13
Meinrad Pichler: Einleitung    16

Nationalsozialismus in Vorarlberg

Zeitlicher Ablauf    22

Der Nationalsozialismus    25
Was versteht man unter Faschismus?    25
Wie stehen die Äustrofaschisten zum Nationalsozialismus?    27
Was kennzeichnet das Weltbild des Nationalsozialismus?    29
Die Vorgeschichte der NS-Herrschaft in Österreich    33
Wie sieht die Parteienlandschaft in der Ersten Republik aus?    34
Wer errichtet die erste Diktatur?    36
Welche Rolle spielt die österreichische NSDAP?    38
Wie kommt es zum Ende Österreichs?    42

Die nationalsozialistische Machtübernahme    45
Wie vollzieht sich der Machtwechsel in Vorarlberg?    48
Wie verfahren die neuen „Herren" mit den Politikern und Funktionären des „Ständestaats"?    52
Was geschieht an den Grenzen?    54
Wie wird die Verwaltung umgebaut?    56
Wie verläuft die Volksabstimmung vom 10. April 1938?    57
Wie kommt es zum „Ende Vorarlbergs"?    61
Hans Wilhelm Hammerbacher: Ein gläubiger Nationalsozialist    63
Alfons Mäser: Der Parteisoldat    67
Georg Schelling: Der unbeugsame Redakteur    72

Der nationalsozialistische Polizeistaat    75
Welche Rolle spielt die Justiz?    75
Was ist und tut die Geheime Staatspolizei?    77
Welche Rolle spielt die Gendarmerie?    80
Woher kommen die Informationen und Anzeigen?    83
Hugo Lunardon: Ein aufrechter Staatsdiener    86
Joseph Schreieder: Eine nationalsozialistische Polizeikarriere    90

Die Kirche in der nationalsozialistischen Diktatur    93
Wie reagiert die katholische Kirche auf den NS-Staat?    93
Welche Maßnahmen ergreifen die Nationalsozialisten gegen Kirche und Klerus?     95
Welche KatholikInnen leisten Widerstand?    97
Alois Knecht: Ein kämpferischer Prediger für den Frieden    99

Von der Aufbruchstimmung in den Kriegsalltag    103
Welche Versprechen werden eingelöst?    105
Wie gestaltet sich die Situation der Bauern?    108
Wie wird die Arbeitslosigkeit beseitigt?    112
Wie werden die Arbeitsverhältnisse und der Betriebsalltag geregelt?    114
Wie steht es um die angekündigte Wohnraumbeschaffung?    117
Warum werden Südtiroler Familien umgesiedelt?    118
Eugen Elsensohn: Vom nationalsozialistischen Hoffnungsträger zum Problemfall     120
Aloisia Huber und Paul Holzner: Zwei Optantenkinder    123

Jugend und Schule    127
Was wird Lehrerinnen und Jugendlichen versprochen?    127
Wie wird das Schulwesen umgestaltet?    128
Wie wird die Jugend begeistert?    131
Was geschieht mit den bisherigen Jugendorganisationen?    134
Wie wird der staatliche Zugriff auf die Jugend durchgesetzt?    136
Gibt es bei den Jugendlichen auch Protest und Verweigerung?    142
Wie wird die Jugend in den „totalen Krieg" einbezogen?    145
Herbert Albrecht: Ins Kriegselend für „Großdeutschland"    147
Albert Bohle: Von der Schulbank in die Wehrmacht    150
Albert Lingenhöle: Die österreichische Stimme    153
Karl Leichtfried: Gescheiterte Anpassung    156

Von der Judenfeindschaft zum Holocaust    159
Woher kommt die Judenfeindschaft?    159
Bringt die rechtliche Gleichstellung ein Ende der Diskriminierung?    161
Was versteht man unter Rassenwahn?    165
Was sind die „Nürnberger Gesetze"?    166
Wie wird der Massenmord organisiert?    167
Was geschieht mit den jüdischen MitbürgerInnen in Vorarlberg?    171
Bruno Amann: Der antisemitische Schreibtischtäter    177
Hans Elkan: Talent ohne Chancen    181
Harry Weil: Unharmonische Heimatklänge    184
Herta Greif: Die lange Flucht    187

Roma und Sinti im NS-Staat    191
Weshalb diese traditionelle Ablehnung?    191
Wie gehen die Nationalsozialisten gegen die „ZigeunerInnen" vor?    193
Anna Guttenberger: Erst verfolgt, dann vernichtet    194

NS-Euthanasie: Tötung von psychisch Kranken,
Behinderten und Unangepassten    197

Was verstehen die Nationalsozialisten unter „Euthanasie"?    197
An welchen Personen werden Zwangssterilisierungen vorgenommen?    198
Was ist die „Aktion T4"?    200
Wie wird die Vernichtung „unwerten Lebens"
in Vorarlberg durchgeführt?    202
Was versteht man unter der „Wilden Euthanasie"?    205
Josef Vonbun: Vom Psychiater zum Tötungshelfer    208
Katharina Lampert: Arm und krank, für die Nazis „lebensunwert"    211
Erich Förster: Aus dem Armenhaus in die Tötungsanstalt    214
Franz Miller: Irre geworden an einer heillosen Welt    217
Franz Josef Gstrein: Ein Kritiker wird (mund)tot gemacht    220
Josef Vallaster: Der Handlanger beim Töten    223

Der Alltag während des Krieges    227
Wie vollzieht sich der Wandel zur Kriegswirtschaft?    228
Welche Rolle spielt die Vorarlberger Industrie innerhalb der Kriegswirtschaft?     230
Weshalb Verlagerungen?    233
Was ist und wie funktioniert die Mangelwirtschaft?    234
Wie nimmt die Bevölkerung das Kriegsgeschehen wahr?    239
Valentin Feurstein: Ein soldatischer Pflichterfüller    251
Hermann Rhomberg: Der Profiteur    255
Familie Streng: Opfer des „totalen Kriegs"    259
Delphina Burtscher: Terror im hintersten Tal    261
August Weiß: Ein Friedfertiger in Kriegszeiten    264

Hoffnung Schweiz: Die Grenze    267
Wie und durch wen wird die Grenze bewacht?    268
Wie verhält sich die Schweiz gegenüber den Flüchtlingen?    270
Was ist über Schicksale von Flüchtlingen bekannt?    274
Was geschieht an der Grenze bei Kriegsende?    278
Meinrad Juen: Der Schmuggler als Fluchthelfer    2S0
Hilar Huber: Die Fluchten eines Grenzgängers    283
Samson Schönhaus: Vom Glück im Unglück    288
Hilde Meisel (Monte-Olday): Ein Leben für eine bessere Welt    291

Zwangsarbeit    295
Wer sind die ZwangsarbeiterInnen?    296
Wer profitiert von dem Zwangssystem?    297
Wie werden die ZwangsarbeiterInnen behandelt?    299
Wie verhält sich die Bevölkerung?    302
Wehren sich die ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen?    305
Nadeshda Iwanowna: Zwangsarbeiterin in Dornbirn    307
Nikolaus Telischko: Zwangsarbeit ohne Pensionsanspruch    310
Josef Anton King: Geist gegen den Ungeist    312

Widerstand und Widersetzlichkeit    317
Was ist und wer leistet Widerstand?    317
Gibt es auch Widerstandsgruppen?    324
Kommt es auch zu Widerstand in der Wehrmacht?    327
Wie sieht die Bilanz der Verfolgung für Vorarlberg aus?    328
Welche politische Bedeutung hat der Widerstand?    329
Karoline Redler: „Ihr braucht euch meiner nicht zu schämen"    332
Johann August Malin: Der Nothelfer im Widerstand    334
Ernst Volkmann: Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen    337
Anna Hölzlsauer: „Wenn ich zornig bin ..."    340
Franziska Vobr: Heimliche Fluchthelferin und offene Kriegsgegnerin    343

Ende und Neustart    347
Wie gestaltet sich die Situation der Bevölkerung in den letzten Tagen
der NS-Herrschaft?    347
Wie gehen der Rückzug und der Einmarsch vor sich?    349
Wie schaut der Neustart aus?    356
Wie wird die nationalsozialistische Herrschaft aufgearbeitet?    359
Max Riccabona: Leben am Abgrund    362
Josef Huber: Flucht als Karriereende    365
Elmar Grabherr: Vom Arier zum Alemannen    368

Anhang

Sach- und Personenlexikon    373
Anmerkungen    397
Personenregister    403
Ortsregister Vorarlberg    409
Ausgewählte Literatur    411
Bildnachweise    415
Der Autor    416

Pichler - Cover-NS

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