Kurt Greussing (2024): Franz Michael Felder und Ferdinand Lassalle – „Mein Mann, in seiner Derbheit und seiner Größe“. Zum Zusammenhang von ökonomischem und politischem Denken Franz Michael Felders
Kurt Greussing
Franz Michael Felder und Ferdinand Lassalle – „Mein Mann, in seiner Derbheit und seiner Größe“[1]
Zum Zusammenhang von ökonomischem und politischem Denken Franz Michael Felders
Erschienen in: Jahrbuch des Franz-Michael-Felder-Archivs der Vorarlberger Landesbibliothek
25. Jahrgang 2024, Innsbruck--Wien: StudienVerlag 2024, S. 9--41.
Am 27. Juni 2014 wurde in Bregenz im Vorarlberg Museum die hervorragende Ausstellung Ich, Felder, Dichter und Rebell eröffnet. Dazu erklärte Landeshauptmann Markus Wallner in seinem Grußwort:
„Man kann […] auch in der politischen Geschichte weit herauf gehen und an die Diskussionen zu Franz Michael Felder im Vorarlberger Landtag in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts erinnern. Es ging um die Frage, welche Partei sich denn mit Recht auf den Dichter und Sozialreformer aus dem Bregenzerwald berufen könne. Ich denke, dass diese Debatten heute beendet sind.
Felder ist, wie wir aus vielen Büchern und Aufsätzen, nicht zuletzt aufgrund der Forschungen von Prof. Walter Methlagl festhalten können, nicht politisch zuordenbar.
Dafür taugt der große Kopf des Bregenzerwaldes nicht. Seine Grundhaltung ist heute politischer Konsens – und auch die Politik des Landes steht hier ganz im Zeichen Franz Michael Felders. Der Mensch muss der Mittelpunkt aller politischen und sozialen Arbeit sein. Der Mensch muss im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen.“[2]
Felder sei also heute eine dem politischen Tagesstreit entrückte Leitfigur, deren Erbe sich im Wirken der Vorarlberger Landesregierung materialisiert. Er sei quasi als Gemeingut zu betrachten, politisch nicht zuordenbar – doch genau das soll im Zuge dieses Textes überprüft werden. Walter Methlagls Arbeit zur Edition der Schriften Felders, vor allem des Briefwechsels, verdient später in diesem Zusammenhang eine kurze Bemerkung. Arnulf Häfele hat unmittelbar nach Wallners Felder-Bewertung einen kritischen Kommentar zu dieser Sicht veröffentlicht, in dem er im Anschluss an Methlagl Felder und dessen Schwager Kaspar Moosbrugger als „Gründergestalten in sozialdemokratischem Sinne“ charakterisierte.[3]
Der mit nicht einmal 30 Jahren verstorbene Franz Michael Felder hat ein Werk hinterlassen, das von vielen Seiten – oft mit wenig Quellenbezug – in Beschlag genommen wurde: Felder als Liberaler, Antiklerikaler, Bauernrevolutionär, völkischer Volksmann, Protokatholik, Sozialdemokrat, in der zeitgenössischen gegnerischen Agitation als Freimaurer verrufen. Schließlich wurde er gar aufgrund seines literarischen Schaffens als Urbild alemannischen Wesens in eine Reihe mit Rudolf von Ems und Natalie Beer gestellt.[4]
Ein wichtiger Teil seines Werkes, der aber kaum in den Vordergrund trat, waren seine Anmerkungen zur Ökonomie. Diese sind oft in einer moralisierenden Sprache gehalten, indem Franz Michael Felder der bloßen Lohn- und Erwerbsarbeit die Wirkung zuschreibt, den Arbeiter, die Heimarbeiterin oder den Bauern in deren menschlichen Fähigkeiten grundlegend zu beschränken und ihre Entwicklung zu unterdrücken. Hier kommt seine Haltung zu Ferdinand Lassalle (1825 – 1864), dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins (ab 23. Mai 1863) und damit einem Gründervater der deutschen Sozialdemokratie, ins Spiel. Denn das Lassalle’sche Menschenbild gleicht jenem Felders: nämlich, dass der Arbeiter unter kapitalistischen Produktionsbedingungen sein menschliches Wesen nicht entwickeln könne.
Für beide, sowohl Lassalle wie Felder, war dabei die Rolle des Staates zentral. Der Staat sollte der Akteur zur Herstellung einer nicht gespaltenen, sondern solidarischen Gesellschaft sein. So heißt es bei Lassalle:
„Der Zweck des Staates ist somit der, das menschliche Wesen zur positiven Entfaltung und fortschreitenden Entwicklung zu bringen, mit anderen Worten, die menschliche Bestimmung, d. h. die Kultur, deren das Menschengeschlecht fähig ist, zum wirklichen Dasein zu gestalten; er ist die Erziehung und Entwicklung des Menschengeschlechts zur Freiheit.“[5]
Felder hat dieses Diktum Lassalles fast wörtlich in seine Gespräche des Lehrers Magerhuber mit seinem Vetter Michel [1867] übernommen:
„Der letzte und inhaltliche Zweck des Staates ist: Die menschliche Bestimmung, d.h. alle Kultur, deren das Menschengeschlecht fähig ist, zum wirklichen Dasein herauszubringen und zu gestalten. Er ist die Erziehung und Entwicklung des Menschengeschlechtes zur Freiheit.“[6]
Die folgenden Ausführungen behandeln schwerpunktmäßig den Zeitraum von 1863 bis zu Felders Tod im April 1869; die referierten Quellen sind aus jener Zeit.
Kaspar Moosbrugger: Wachsende Begeisterung für Ferdinand Lassalle
Als Eugen Thurnher 1970 und 1972 die beiden Bände des Briefwechsels zwischen Franz Michael Felder und dessen Schwager Kaspar Moosbrugger herausgab, hielt er einen für ihn erstaunlichen Befund fest: Es sei „sehr bezeichnend, daß nicht die Namen Goethes oder Schillers, Gotthelfs oder Auerbachs in den Briefen am häufigsten vorkommen, sondern der Name Lassalles, dessen Werk ein dauernder Gegenstand der Auseinandersetzung ist“[7].
In der Tat wird im Briefwechsel zwischen Kaspar Moosbrugger und Franz Michael Felder zunehmend die Verehrung, ja Begeisterung Moosbruggers für Ferdinand Lassalle deutlich. Es beginnt 1863:
„Die durch Lassalle hervorgerufene Arbeiterbewegung in Deutschland zieht jetzt meine Aufmerksamkeit besonders auf sich, und ich habe Lust, mir dessen Schriften kommen zu lassen. Er behandelt die wichtigste Frage unserer Zeit, die soziale, auf eine Weise, die alle Beachtung verdient.“[8]
Das einmal geweckte Interesse Moosbruggers an Lassalle steigert sich zu offener Begeisterung:
„Ich lese jetzt, wenn ich ein bißchen Zeit habe, den Lassalle, ich lerne viel von ihm.“[9]
„Ich studiere ziemlich fleißig die Resultate Lassallescher Forschung“.[10]
„Der Name Lassalles wird noch die Welt erfüllen, obwohl ihn ein preußisches Gericht nach dem andern jetzt aburteilt. Seine Sache ist eine große und hat unbedingt eine Zukunft. Er ist ein Feind Österreichs, ein Feind unserer Kirche und ein Feind Großdeutschlands, aber eine großartige Erscheinung im deutschen Volk von unvergleichlicher Gesinnungstüchtigkeit und wissenschaftlicher Schärfe.“[11]
Nachdem Ferdinand Lasalle am 31. August 1864 an den Folgen eines von ihm provozierten Pistolenduells verstorben war, schrieb Kaspar Moosbrugger an Felder:
„Lassalles Sache lebt und wird leben, so lang die Welt besteht, und je länger Du ihn liest, desto mehr wirst Du in ihn verhitzt werden.“[12]
„Trotz des erbärmlichen Zeitungsgeschreibsels über Lassalle, insbesondere der Allgemeinen Zeitung [in Augsburg erscheinende süddeutsche Tageszeitung, Anm. d. Verf.], steht den Prinzipien dieses großen Mannes noch eine große Zukunft bevor. Den dumpfen Schritt der Arbeiterbataillone kann hören, wer nur einigermaßen ein gutes Gehör hat und den Bewegungen im deutschen Volke lauscht. Lassalle ist meines Wissens der erste, der im chaotischen Gewirre die Tonarten richtig erkannt und treffend charakterisiert hat.“[13]
„Auf den Sozialdemokrat [Organ des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, Anm. d. Verf.] bin ich begierig und wünsche nach demselben. Ich studiere jetzt immer am Lassalle, d. h. an seiner Rechtslehre, und staune immer mehr über diese immense Geisteskraft. Ich finde unter den Lebenden keinen, der neben ihn gestellt werden könnte.“[14]
Franz Michael Felder: eine zögerliche, aber schließlich umfassende Annäherung
Die begeisterte Hervorhebung der Schriften Lassalles durch seinen Schwager Moosbrugger blieb nicht ohne Wirkung auf Felder. Er reagierte jedoch erst einmal zögerlich auf das Lassalle’sche Denken. Vor allem störte ihn anfänglich Lassalles scharfe Kritik an dessen Zeitgenossen Hermann Schulze-Delitzsch (1808–1883). Denn dieser plädierte als Protagonist des deutschen Genossenschaftswesens in liberaler Tradition für Selbsthilfevereine der Arbeiter und Handwerker – also für eine Verbesserung der ökonomischen Lage aus eigener Kraft des Individuums. Felder war dieser Auffassung anfangs durchaus zugetan, änderte allerdings seine Meinung unter dem Einfluss der Lassalle’schen Schriften:
„Im Lassalle habe ich gelesen und bin so verhitzt, daß ich auch die andern Schriften später von Dir verlangen werde.“[15]
Nun las Felder auch Ferdinand Lassalles Auseinandersetzung mit den Theorien der Selbsthilfe-Anhänger, namentlich Hermann Schulze-Delitzschs:
„Den Bastiat [Lassalles umfassende Kritik an Schulze-Delitzsch von 1864,[16] Anm. d. Verf.] habe ich mit wahrem Interesse gelesen. Die Arbeiterfrage wird mir jetzt wichtig, aber über Lassalle wage ich noch nicht zu urteilen. Es ist mir alles noch zu neu. Man müßte sich fast schämen, ein Anhänger Schulzes gewesen zu sein, aber mir kommt es vor, ich und noch viele seien eigentlich gar keine Anhänger gewesen, sondern gedankenlose Nachplärer der einzigen Stimme, die wir hörten. Laß mich also zuerst noch einige Jahre leben und lernen.“[17]
Felder ist in der Anerkennung Lassalles also erst einmal zurückhaltend. Moosbrugger äußert deswegen sanfte Kritik an Felder:
„Eben lese ich in der Allgemeinen Zeitung, daß in Frankfurt bereits Reform des Bundes und Einberufung eines deutschen Parlaments auf Grund allgemeinen Stimmrechtes mit direkter Wahl von Preußen beantragt worden ist. Ob dies Dir wohl Anlaß geben wird, die Lassallesche Fahne höher zu achten, als dies bis nun der Fall gewesen zu sein scheint?“[18]
Kurz darauf, am 10. August 1866, wendet sich Franz Michael Felder in einem Begleitbrief zu seiner Schrift Consum Verein oder Produktiv Association? an den Liberalen Josef Feuerstein in Bezau:
„Einstweilen sende ich Dir Lasalle’s Bastiat Schulze. Hier wirst du meinen Mann, in seiner Derbheit und seiner Größe kennen lernen.“[19]
Felder ist also nun ein Lassalleaner geworden, wie sich auch zwei Jahre später in einem Brief an Kaspar Moosbrugger deutlich erweist:
„Lassalle gibt den Arbeitern den Prüfstein selbst in die Hand: ‚Fragt nun, ob sie dieses eherne Gesetz anerkennen.‘!!“[20]
Mit diesem „ehernen Gesetz“ ist unzweifelhaft Lassalles „ehernes Lohngesetz“ gemeint – das Kernstück seines ökonomischen Denkens und Ausgangspunkt seiner politischen Forderungen.
Ferdinand Lassalle zu Kapitalismus, „ehernem Lohngesetz“ und Staat
Ferdinand Lassalles zentrale These zur Lage der Arbeiterschaft war das sogenannte „eherne Lohngesetz“, dessen Formulierung auf klassische Ökonomen wie David Ricardo, Jean-Baptiste Say und Thomas Malthus zurückgeht. 1863 fasst er dieses Gesetz in seiner – auch in Felders Bibliothek[21] befindlichen – Schrift zur Berufung eines allgemeinen deutschen Arbeiterkongresses wie folgt zusammen. Seine Darlegung des "ehernen Lohngesetzes" wird hier sehr ausführlich wiedergegeben, damit ein Eindruck entsteht, wie Felder den Text – auch dessen politischen Duktus – aufgenommen haben könnte:
„Das eherne ökonomische Gesetz, welches unter den heutigen Verhältnissen, unter der Herrschaft von Angebot und Nachfrage nach Arbeit, den Arbeitslohn bestimmt, ist dieses: daß der durchschnittliche Arbeitslohn immer auf den notwendigen Lebensunterhalt reduziert bleibt, der in einem Volke gewohnheitsgemäß zur Fristung der Existenz und zur Fortpflanzung erforderlich ist. Dies ist der Punkt, um welchen der wirkliche Tageslohn in Pendelschwingungen jederzeit herum gravitiert, ohne sich jemals lange weder über denselben erheben, noch unter denselben hinunterfallen zu können.
Er kann sich nicht dauernd über diesen Durchschnitt erheben — denn sonst entstände durch die leichtere, bessere Lage der Arbeiter eine Vermehrung der Arbeiterehen und der Arbeiterfortpflanzung, eine Vermehrung der Arbeiterbevölkerung und somit des Angebots von Händen, welche den Arbeitslohn wieder auf und unter seinen früheren Stand herabdrücken würde.
Der Arbeitslohn kann auch nicht dauernd tief unter diesen notwendigen Lebensunterhalt fallen, denn dann entstehen — Auswanderungen, Ehelosigkeit, Enthaltung von der Kindererzeugung und endlich eine durch Elend erzeugte Verminderung der Arbeiterzahl, welche somit das Angebot von Arbeiterhänden noch verringert und den Arbeitslohn daher wieder auf den früheren Stand zurückbringt.
Der wirkliche durchschnittliche Arbeitslohn besteht somit in der Bewegung, beständig um jenen seinen Schwerpunkt, in den er fortdauernd zurücksinken muß, herumzukreisen, bald etwas über demselben (Periode der Prosperität in allen oder einzelnen Arbeitszweigen) bald etwas unter ihm zu stehen (Periode des mehr oder weniger allgemeinen Notstandes und der Krisen).
Die Beschränkung des durchschnittlichen Arbeitslohnes auf die in einem Volke gewohnheitsmäßig zur Fristung der Existenz und zur Fortpflanzung erforderliche Lebensnotdurft — das ist also, ich wiederhole es Ihnen, das eherne und grausame Gesetz, welches den Arbeitslohn unter den heutigen Verhältnissen beherrscht.
Dieses Gesetz kann von niemand bestritten werden. Ich könnte Ihnen für dasselbe ebenso viele Gewährsmänner anführen, als es große und berühmte Namen in der nationalökonomischen Wissenschaft gibt, und zwar aus der liberalen Schule selbst, denn gerade die liberale ökonomische Schule ist es, welche selbst dieses Gesetz entdeckt und nachgewiesen hat.
Dieses eherne und grausame Gesetz, meine Herren, müssen Sie sich vor allem tief, tief in die Seele prägen und bei allem Ihren Denken von ihm ausgehen.
Bei dieser Gelegenheit kann ich Ihnen und dem gesamten Arbeiterstand ein unfehlbares Mittel angeben, wie Sie ein für allemal allen Täuschungen und Irreführungen entgehen können. Jedem, der Ihnen von der Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes spricht, müssen Sie vor allem die Frage vorlegen:
ob er dieses Gesetz anerkennt oder nicht.
Erkennt er es nicht an, so müssen Sie sich von vornherein sagen, daß dieser Mann entweder Sie täuschen will oder aber von der kläglichsten Unerfahrenheit in der nationalökonomischen Wissenschaft ist. Denn es gibt, wie ich Ihnen bereits bemerkt, in der liberalen Schule selbst nicht einen namhaften Nationalökonomen, der dasselbe leugnete. Adam Smith wie Say, Ricardo wie Malthus, Bastiat wie John Stuart Mill sind einstimmig darin, es anzuerkennen. Es herrscht hierin eine Übereinstimmung aller Männer der Wissenschaft.
Und wenn nun derjenige, der Ihnen von der Lage der Arbeiter spricht, auf Ihre Frage dieses Gesetz anerkannt hat, so fragen Sie ihn weiter: wie er dasselbe beseitigen will.
Und wenn er hierauf nicht zu antworten weiß, so wenden Sie ihm ruhig den Rücken. Er ist ein leerer Schwätzer, der Sie oder sich selbst täuschen und mit hohlen Phrasen verblenden will.“[22]
Wie lässt sich nun gegen dieses „eherne Lohngesetz“ nach Lassalles Auffassung angehen? – Die Antwort: Der Staat wird mit allgemeinem und gleichem Wahlrecht der Akteur zur Lösung der sozialen Frage:
„Ihnen also, meine Herren, den notleidenden Klassen, gehört der Staat, nicht uns, den höheren Ständen, denn aus Ihnen besteht er! Was ist der Staat? frage ich, und Sie ersehen jetzt aus wenigen Zahlen handgreiflicher als aus dicken Büchern die Antwort: Ihre, der ärmeren Klassen, große Assoziation — das ist der Staat! Und warum soll nun Ihre große Assoziation nicht fördernd und befruchtend auf Ihre kleineren Assoziationskreise einwirken? Diese Frage wollen Sie gleichfalls denjenigen vorlegen, die Ihnen von der Unzulässigkeit der Staatsintervention und vom Sozialismus und Kommunismus bei dieser Forderung schwätzen.“[23]
„Zugleich habe ich Ihnen bereits den Beweis geliefert, daß der Staat überhaupt gar nichts anderes als die große Organisation, die große Assoziation der arbeitenden Klassen ist, und daß also die Hilfe und Förderung, durch welche der Staat jene kleineren Assoziationen ermöglichte, gar nichts anderes sein würde, als die vollkommen natur- und rechtmäßige, vollkommen legitime soziale Selbsthilfe, welche die arbeitenden Klassen als große Assoziation sich selbst, ihren Mitgliedern als vereinzelten Individuen, erweisen. Noch einmal also, die freie individuelle Assoziation der Arbeiter, aber die freie individuelle Assoziation ermöglicht durch die stützende und fördernde Hand des Staates — das ist der einzige Weg aus der Wüste, der dem Arbeiterstand gegeben ist.
Wie aber den Staat zu dieser Intervention vermögen? Und hier wird nun sofort sonnenhell die Antwort vor Ihrer aller Augen stehen: dies wird nur durch das allgemeine und direkte Wahlrecht möglich sein. Wenn die gesetzgebenden Körper Deutschlands aus dem allgemeinen und direkten Wahlrecht hervorgehen — dann und nur dann werden Sie den Staat bestimmen können, sich dieser seiner Pflicht zu unterziehen.“[24]
„Der Arbeiterstand muß sich als selbständige politische Partei konstituieren und das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zu dem prinzipiellen Losungswort und Banner dieser Partei machen. Die Vertretung des Arbeiterstandes in den gesetzgebenden Körpern Deutschlands – dies ist es allein, was in politischer Hinsicht seine legitimen Interessen befriedigen kann. Eine friedliche und gesetzliche Agitation hierfür mit allen gesetzlichen Mitteln zu eröffnen, das ist und muß in politischer Hinsicht das Programm der Arbeiterpartei sein.“[25]
In Lassalles einflussreicher Streitschrift gegen Hermann Schulze-Delitzsch, die sowohl Felder als auch Moosbrugger gründlich gelesen haben, wird der Kapitalismus der freien Konkurrenz als spekulatives Glücksspiel, in einem Auf und Ab der Konjunkturen, beschrieben. Dabei spricht Lassalle seinem Gegner Schulze-Delitzsch jegliche Kenntnis der wissenschaftlichen Ökonomie ab, außer der Lektüre einer kleinen Fibel des französischen Liberalen, Selbsthilfe-Ökonomen und Politikers Claude Frédéric Bastiat (1801 – 1850).[26]
„In noch ganz anderer Lage befinden sich aber die Arbeiter. Sie sind selbst von jenem individuellen Glücksspiel ausgeschlossen, welches auf unsere Kaufleute und Unternehmer einen solchen Reiz ausübt, daß sie vergessen, wie die glücklichen Fälle, in welchen Einzelne unter ihnen hoch oben hinauf in den Schooß des Reichthums geschleudert werden, von ihrem eignen Stande damit bezahlt werden, daß Massen desselben tief unter das Rad der Misere gerathen.
Sie sind ausgeschlossen, sage ich, von dem Glücksspiel, welches unsere ganze Produktion darstellt, weil sie den Einsatz zu diesem Glücksspiel nicht vorlegen können: das Capital. […]
Ausgeschlossen von den günstigen Chancen dieses Glücksspiels ist daher der Arbeiterstand als solcher (industrieller wie ländlicher Arbeiterstand), da der Arbeiter niemals als Verkäufer eines Produkts auf eigne Rechnung auftritt.
So gut wie ausgeschlossen ferner ist der kleine Handwerker, welcher zwar ein Produkt auf eigne Rechnung verfertigt und verkauft, aber einerseits mehr und mehr zum bloßen Lohnarbeiter des großen Capitalbetriebes herabsinkt, andererseits auch noch bei selbstständigem Betriebe durch seinen Mangel an Capital gehindert ist, günstige Conjuncturen auszupressen, während er seinerseits von der ungünstigen Conjunctur um so widerstandsloser ausgepreßt wird.
Arbeiterstand wie Handwerkerstand bilden daher in unserer Gesellschaft eine wirthschaftliche Abtheilung, über welcher die Inschrift der Dante'schen Hölle steht: ,Die ihr hier eintretet, laßt jede Hoffnung fahren!‘“[27]
Ein günstiger Verlauf der Konjunktur, so Lassalle, könne zwar den Lohn etwas heben, doch seien dem enge Grenzen gesetzt:
„[…] In der Regel aber wirken diesem Bestreben noch zwei Umstände entgegen. Ist die günstige Conjunctur keine allgemeine, in vielen Arbeitszweigen eintretende, und keine andauernde, so bringt der Widerstand, den die Unternehmer jeder Steigerung des Arbeitslohnes entgegensetzen, verbunden mit der geringen Dauer der günstigen Conjunctur, es dahin, daß entweder kaum irgend eine oder doch nur eine äußerst unerhebliche Steigerung des Arbeitslohnes eintritt. Ist umgekehrt die günstige Conjunctur eine allgemeine und andauernde, so bringt die allmälig eintretende Steigerung des Arbeitslohnes inzwischen eine solche Vermehrung der Arbeiterehen und Arbeiter Familien, also eine solche Vermehrung der Nachfrage nach Arbeit hervor, daß hierdurch in der Regel das gesteigerte Angebot derselben wieder ausgeglichen wird und der Arbeitslohn wieder auf oder noch unter seine frühere Höhe herabsinkt. […]“[28]
„Die ganze Geschichte der europäischen Industrie in diesem Jahrhundert ist nichts als eine fortlaufende Abwechslung von ,ausschweifenden Speculationen‘, einer aus ,Unkenntniß der Thatsachen‘ entspringenden fieberhaften Ueberspannung des Kredits und hierauf gegründeten zügellosen Ueberproduktion und hierauf folgenden Krisen, Sinken der Waarenpreise weit unter ihre Produktionskosten, Arbeits-Verminderung, Arbeitsstockung und oft mehr oder weniger anhaltende Arbeitseinstellung. Ich verweise Sie beispielsweise auf die berühmte und klassische ‚Geschichte der Preise von 1793-1857‘ von Th. Thoke.[29]
Der Rücken der Arbeiter ist also der selbstlose grüne Tisch, auf welchem die Unternehmer und Speculanten das Glücksspiel spielen, zu welchem die heutige Produktion geworden ist. Der Rücken der Arbeiter ist der grüne Tisch, auf welchem sie die Goldhaufen einkassiren, welche ihnen der günstige Coup der Roulette zuwirft, und auf welchen schlagend sie sich für den ungünstigen Wurf mit der Hoffnung besserer Chance für nächstens vertrösten.“[30]
Karl Marx und Friedrich Engels: Katastrophe und Revolution
Die Auffassung Lassalles von der Möglichkeit eines durch das Wahlrecht gestaltbaren Staates, in nationalem Rahmen, und friedlicher, schrittweiser Reform stellte den entscheidenden Konflikt mit Karl Marx (1818–1883) und Friedrich Engels (1820–1895) her, die ebenfalls, zur gleichen Zeit, auf die deutsche Arbeiterbewegung Einfluss nehmen wollten. Dabei ist in unserem Zusammenhang bemerkenswert, dass in der Korrespondenz von Felder und Moosbrugger die Namen Marx oder Engels kein einziges Mal vorkommen. Dennoch sei hier auf die beiden Ökonomen und Politiker eingegangen, da sie in der damaligen Debatte der deutschen Arbeiterbewegung die artikuliertesten Gegenpole zu Ferdinand Lassalle waren. An ihrem Verständnis von kapitalistischer Krise und Staat wird eine Alternative zum Staatsverständnis Lassalles und damit auch Felders und Moosbruggers deutlich: nämlich der Staat als folgsamer Geschäftsführer der herrschenden Kapitalistenklasse und die soziale Umwälzung als apokalyptisches Ereignis.
Im Kommunistischen Manifest von 1848 und in der Schrift Das Elend der Philosophie von 1847 formulieren Marx beziehungsweise Engels:
„Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Kapitalistenklasse verwaltet.“[31]
„Sowohl die politische wie die zivile Gesetzgebung proklamieren, protokollieren nur das Wollen der ökonomischen Verhältnisse.“[32]
Auch das „eherne Lohngesetz“ lehnt Karl Marx ab, da das Lebensniveau der arbeitenden Klasse ein kulturelles und moralisches Element enthalte und qualifizierte Arbeit höher entlohnt werde als einfache Arbeit. Im ersten Band des Kapital. Kritik der politischen Ökonomie von 1867 heißt es:
„Die natürlichen Bedürfnisse selbst, wie Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung usw. sind verschieden je nach den klimatischen und anderen natürlichen Eigentümlichkeiten eines Landes. Andererseits ist der Umfang sog. notwendiger Bedürfnisse, wie die Art ihrer Befriedigung, selbst ein historisches Produkt und hängt daher großenteils von der Kulturstufe eines Landes, unter anderem auch wesentlich davon ab, unter welchen Bedingungen, und daher mit welchen Gewohnheiten und Lebensansprüchen die Klasse der freien Arbeiter sich gebildet hat. Im Gegensatz zu anderen Waren enthält also die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element.“[33]
„Unterschiede [...] in der Höhe des Arbeitslohns beruhen großenteils auf dem […] Unterschied zwischen einfacher und komplizierter Arbeit“ [...], die „das Los der Arbeiter in verschiedenen Produktionssphären sehr verungleichen [...]“.[34]
„Kompliziertere Arbeit gilt nur als potenzierte oder multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit [ist].“[35]
Während Lassalle mithilfe des allgemeinen Wahlrechts einen graduellen Übergang zu einem sozialen Staat und einer harmonischen Gesellschaft anvisiert, sieht Karl Marx eine apokalyptische Wende zum Zusammenbruch des Kapitalismus und damit zur Herrschaft des Proletariats. In der deutschen und in der österreichischen Sozialdemokratie schieden sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – also auch zu Felders und Moosbruggers Lebzeiten – genau an dieser Position die politischen Geister.
Das kapitalistische System, so Marx und Engels, bereite durch die Monopolbildung im Zuge der Konzentration des Kapitals und durch zunehmende Automatisierung der Produktion seinen eigenen Untergang, da die kaufkräftige Nachfrage durch Arbeiterinnen und Arbeiter immer mehr reduziert werde. Im Kommunistischen Manifest und im Kapital wird diese Erwartung der Endzeit des Kapitalismus so formuliert:
„Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.“[36]
„Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst weggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert also vor allem ihre eignen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“[37]
Ferdinand Lassalle und Karl Marx waren also die Antipoden in den Theorie- und Strategiedebatten der mitteleuropäischen Sozialdemokratie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das von Lassalle propagierte „eherne Lohngesetz“ besagte, dass bei steigenden Löhnen sich die Zahl der Kinder des einzelnen Arbeiters und der Arbeiterin erhöht und diese Kinder als Heranwachsende und Erwachsene die Arbeitskräfte vermehren, deren Überangebot dann die Löhne wieder drückt. Auf diese Weise zirkuliere der Lohn notwendigerweise immer um das Existenzminimum. Das sei unter Bedingungen eines freien Marktes ein unverrückbares ehernes Gesetz.
Karl Marx und Friedrich Engels hingegen argumentierten gegen die Unverrückbarkeit des Lohngesetzes, indem sie der Gestaltung der Lohnverhältnisse ein „historisches Element“ zuschrieben, das das Existenzminimum relativiere. Es bestimme sich eben nicht nur durch die zum physischen Überleben erforderlichen Mittel, sondern auch durch gesellschaftliche Faktoren – wie kulturelle Errungenschaften, die zum Beispiel durch Streiks erkämpft worden sind.
Marx’ mechanistisches Staatsverständnis verhinderte allerdings Einsichten in zwei mögliche Funktionen des Staates: Erstens in dessen Macht, durch antimonopolistische Maßnahmen und Zerschlagung von industriellen Monopolen eine Konkurrenzwirtschaft aufrechtzuerhalten. In den USA beispielsweise geschah das ab 1890 durch den Sherman Antitrust Act, das erste Kartellgesetz auf Bundesebene. Auf ihm fußen in den USA alle weiteren Gesetze zur Wettbewerbspolitik. Sie verbieten die Bildung von Monopolen, Kartellen und Beschränkungen des Wettbewerbs und sollen den Verbraucher vor preislichen Übervorteilungen schützen.
Zweitens kann der Staat im Fall einer Wirtschaftskrise selbst Nachfrage schaffen – die Keynes’sche Wirtschaftspolitik.
In beiden Fällen tritt der Staat als Akteur des öffentlichen Interesses auf, der korrigiert und schafft, was die Marktkräfte nicht aus sich heraus herstellen: nämlich marktwirtschaftliche Konkurrenz und ausreichende Nachfrage.
Der von Marx und Engels konstatierte Widerspruch des Kapitalismus, dass er mit der Rationalisierung und Automatisierung der Produktion seine eigene Basis – die geldbewehrte Nachfrage nach dieser Produktion – ruiniert, kann eben durch außermarktliche Eingriffe des Staates in die Verteilung gelöst werden; also z. B. durch Besteuerung der sich konzentrierenden Vermögen, antimonopolistische Politik und Schaffung kaufkräftiger Nachfrage, unter anderem gerade durch Sozialpolitik.
„Vorarlberg’sche Partei der Gleichberechtigung“ auf sozialdemokratischer Grundlage
Felders und Moosbruggers Annäherung an Lassalle blieb nicht folgenlos. 1866 reifte bei beiden der Plan zur Gründung einer „Vorarlberg’schen Partei der Gleichberechtigung“ auf sozialdemokratischer Grundlage. Kaspar Moosbrugger verfasste ein detailliertes Programm, den Ruf aus Vorarlberg um Gleichberechtigung.[38] Gedruckt wurde der Text – wohl um eine vorzeitige indiskrete Veröffentlichung zu verhindern – nicht in Vorarlberg, sondern in Augsburg.
Im Programmtext wird unter anderem vor allem das ungleiche Wahlrecht kritisiert. Denn neben grundsätzlichen Erwägungen der Gleichheit der Staatsbürger seien es vor allem die erheblichen Steuerleistungen der Ausgeschlossenen in Form indirekter Steuern und staatlicher Monopole, die den Großteil des Steueraufkommens ausmachen.[39]
Einen zentralen Teil der Programmüberlegungen machten die Erwägungen zur Gründung von Genossenschaften aus, wobei auf die bereits bestehende Vorreiterrolle Deutschlands verwiesen wird:
„In Deutschland hat man die Emanzipation der Arbeit vom Kapital bereits rüstig zur Hand genommen, und sie in der Association der Arbeiter und in der Nationalisirung unsers Rechts gefunden. Hierin liegt das Mittel, und von der Wissenschaft als das einzig richtige erkannt, um dem Arbeiter das Arbeitserträgniß zu sichern.“[40]
„Association der Arbeiter zu eigenen Unternehmungen (Produktiv-Associationen) und Nationalisierung unsers Rechts müssen wieder gut machen, was der Romanismus verdorben hat. [Mit „Romanismus“ bezeichnet Kaspar Moosbrugger das auf dem Eigentumsbegriff und dem „grassirenden pflichtlosen Individualismus“ basierende römische Recht, Anm. d. Verf.].
Diese Associationen und Nationalisirung können aber natürlich nicht ohne Intervention des Staates zu Stande kommen, diese Intervention wird und muß aber kommen, sobald – das allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht mit geheimer Abstimmung durchgesetzt sein wird. Ihm wird die spontane Aufschnellung des Nationalgeistes folgen.
Die Schlachtenrufe des Schulze-Delitsch [sic] und Lasalles [sic] haben allerorts getönt und im preußischen Parlament bereits höchst beachtenswerthen Widerhall gefunden. In diesen Männern erkennen wir die Signatur unserer Zeit, und es ist ein Charakterzug derselben, daß der todte Lasalle [sic] in den Augen vieler Tausende als ein Messias angesehen wird. Freilich ist es düster, daß es so kommen mußte.“[41]
Dieser Ruf aus Vorarlberg schallte weit über die Grenzen hinaus. So fand er Niederschlag in der dreimal wöchentlich erscheinenden Zeitschrift Der Social-Demokrat, dem Organ des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins zu Berlin. Da wurde in der Ausgabe vom Freitag, dem 23. November 1866, auf der Titelseite der Ruf aus Vorarlberg besprochen.[42] Dabei heißt es, das Begleitschreiben zu dem Text zeige, „welches Gewicht die Herren Verfasser der Broschüre auf die sociale Seite ihres Programms legen.“ In dem Schreiben stand:
„Sie werden es freudig begrüßen, daß man Lassalles Hebel verwendet, um den Kaiserstaat aus dem Moraste zu heben. Es giebt hier viele, die meinen, wenn dieser Hebel nicht ausreiche, sei die Hebung überhaupt unmöglich.“[43]
Diese Bemerkung hätte ohne Weiteres von Felder oder Moosbrugger stammen können, sie muss aber von einem ungenannten Dritten gekommen sein. Denn Felder schrieb an Moosbrugger, dass er nicht der Verfasser dieser Zeilen sei.
„Ich habe Dir schon aber angedeutet, daß diese Worte nicht von mir sind. Nach meiner Ansicht mußte der loyale Ton schon darum angeschlagen werden, damit überhaupt die Verbreitung der Schrift bei uns möglich war, wir haben erst A gesagt. Auch Lassalle mußte sich den Schein geben, eine Revolution zu vermeiden, die er eigentlich wollte.“[44]
Eine Frage ist nun, ob Felder und Moosbrugger aufgrund ihrer Versuche, eine Partei ins Leben zu rufen, tatsächlich als Vorarlberger „Gründergestalten in sozialdemokratischem Sinne“ betrachtet werden können. – Das wohl kaum. Felders Wirken in Schoppernau war zwar Teil einer ländlichen staats- und kirchenkritischen Emanzipationsbewegung,[45] vermochte aber keine Impulse für eine überlokale Vernetzung zu setzen. Bei Moosbrugger wiederum ist kein politischer Einfluss auf seine Bludenzer Umgebung festzustellen, etwa durch eine Mitwirkung bei den nach dem Vereins- und Versammlungsgesetz vom 15. November 1867 entstehenden Arbeitsbildungsvereinen in Bregenz (1869), Feldkirch (1870), Bludenz und Dornbirn (1873), Hohenems (1874) und Hard (1875), die bald in sozialdemokratisches Fahrwasser gerieten und 1877 – mit Ausnahme von Hohenems – erst einmal verboten wurden. Moosbrugger – damals bereits sechzigjährig – spielte auch keine Rolle, als im September 1890 in Telfs in Tirol die Sozialdemokratische Partei Tirols und Vorarlbergs ins Leben gerufen wurde.[46]
Streitpunkt Zinsfreiheit: Opposition zur katholischen Arbeiterbewegung
1867 folgt eine zweite wiederum in Augsburg gedruckte Schrift, die das Parteiprojekt noch einmal erläutert und Felder, der als Autor der ersten Schrift von seinen Gegnern vermutet worden war, in Schutz nimmt. Es ist Kaspar Moosbruggers „Klarstellung der vorarlberg’schen Partei der Gleichberechtigung. Zweite Parteischrift“.[47]
Dabei hält er sich auch vor Kritik an der katholischen Kirche nicht zurück. Er fordert die Zinsfreiheit von Darlehen, der der „römische Katholicismus“ entgegenstehe.
„Wie kommt es, daß in unserer Zeit von Rom aus in Syllabussen, Allocutionen u. dergl. alle möglichen politischen und unpolitischen Sünden verdammt und gebrandmarkt werden, Zinsnehmen aber nicht?“ [48]
Diese Forderung nach Zinsfreiheit ist deswegen wichtig, weil das Felder-Moosbrugger’sche Genossenschaftsmodell mit zinsfreien staatlichen Krediten für Gründungen solcher Genossenschaften rechnete.
„Es ist bekannt, dass Lassalle für seine Arbeiterassociationen den Staatscredit in Anspruch nimmt. […] Vorarlberg – wir nehmen ein Beispiel im Kleinen, das aber der Anwendung im Großen fähig ist – könnte mittels eines Landesgesetzes Creditspapiere schaffen und allenfalls bis zum Betrag von 10 Millionen [Gulden, Anm. d. Verf.][49] an strebsame Arbeiter, die sich zu Productivassociationen vereinen wollen, unverzinslich und mit Pfandrecht auf das Eigenthum der Association, gegen ratenweise Rückzahlung hinausgeben.“[50]
Diese Rückzahlungen müssten so gestaltet werden, „daß die Geschäftsblüthe nicht beeinträchtigt würde. Dem Land würde selbstverständlich eine vernünftige Controlle zustehen.“[51]
In Deutschland werde, selbst von führenden Katholiken, zwar die Brisanz der sozialen Frage erkannt, doch wollten sie in ihren Vorschlägen Lassalle nicht folgen, sodass ihre Rezepte für die Lösung der sozialen Frage wirkungslos blieben. Der bekannte Bischof Wilhelm Ketteler (1811 – 1877), Gründer des ersten katholischen Arbeiterunterstützungsvereins 1849 und damit der katholischen Arbeiterbewegung, anerkenne zwar das Wirken Lassalles. Im Übrigen aber, so Moosbrugger, hielten Ketteler und seine Mitstreiter die Vorschläge Lassalles für undurchführbar und setzten stattdessen auf untaugliche Lösungen wie die Wiedereinführung des Zunftwesens und die allgemeine Wirkung des Christentums.
„Angesichts dessen müssen wir leider erklären, daß diesen Herren, und mit ihnen den Ultramontanen [den romtreuen Vertretern des politischen Katholizismus, Anm. d. Verf.] überhaupt das Verständniß der socialen Frage fehlt.“[52]
Felder als Sozialdemokrat
Bemerkenswert ist die Zurückhaltung Felders (im Gegensatz zu Moosbrugger), sich offensiv der Schoppernauer Öffentlichkeit und darüber hinaus jener Vorarlbergs als Sozialdemokrat vorzustellen – obwohl er als Anhänger Lassalles unzweifelhaft einer geworden war. Das hatte wohl damit zu tun, dass Felder vor allem von Pfarrer Rüscher bereits als „Freimaurer“ verschrien war. Da war eine zusätzliche Etikettierung als kirchenfeindlicher Sozialdemokrat keine gute Option.
Seiner als Diffamierung gemeinten Charakterisierung als „Freimaurer“ ist Felder mit Ironie begegnet, wie aus seinem Briefwechsel hervorgeht. Allerdings geschah solche Punzierung in einer Atmosphäre, die in der Gemeinde Schoppernau durch heftige politische Konflikte mit aufkommender Gewalt gekennzeichnet war. Felder musste mit körperlichen Angriffen rechnen, sodass er im Mai 1867 zusammen mit seiner Frau die Flucht zu seinem Schwager nach Bludenz ergriff. Im Jänner 1868 schritten Felders Gegner dann zu physischer Gewalt – die Gemeinde war politisch völlig gespalten, wie Felder sie in einem Brief an Moosbrugger beschreibt.[53]
In seiner Korrespondenz mit Kaspar Moosbruger und mit dem Leipziger Germanisten Rudolf Hildebrand geht Felder mit der Bezeichnung Freimaurer oft sarkastisch um. Zum Schoppernauer Pfarrer Rüscher bemerkt er:
„Auch wurde gesagt, daß ich für mein Wirken als zweiter Luther, Freimaurer u.d.gl. von den Freimaurern und andern Agenten bezahlt werde. (Pfarrer Rüscher hat, wie ich in den letzten Tagen erfuhr, es mehrfach ausgesprochen, daß ich mein Geld nicht als Schriftsteller, sondern eher auf diese Weise verdiene.)“[54]
An Hildebrand schreibt Felder:
„Du hast übrigens noch nicht alle meine Titel und Nahmen angeführt, vielleicht aus Feinheit, sonst hättest Du mich noch nennen können: Großmeister der hiesigen 200 Freimaurer, Verwalter des Handwerkervereins, Erzketzer, Sektenstifter usw.“[55]
Oder an Moosbrugger im Krisenjahr 1868, in dem die Angriffe durch den Pfarrer besonders heftig waren:
„Meine Freunde, die s.g. Freimaurer, stellen sich nun noch fester um mich“.[56]
Kaspar Moosbrugger jedoch deklarierte sich mit seiner und Felders Parteigründung öffentlich als Sozialdemokrat. Ihm war an der Verwirklichung der Idee einer solidarischen Gesellschaft gelegen. Die Verbesserung der Lebenslage der Arbeiterschaft, als materialistische Lebensanschauung verstanden, war nicht im Vordergrund:
„Meine Meinung will ich mit demokratischem Freimut hersetzen: Ich bin Sozialdemokrat und hoffe, es zu bleiben. Meine Bemühungen, eine sozialdemokratische Partei in Vorarlberg ins Leben zu rufen, sind bekannt. Ich wollte es nicht auf Grund einer materialistischen Lebensanschauung, wie dies bei der Sozialdemokratie sonst leider der Fall ist, sondern auf Grund der christlichen Weltidee. Ich wendete mich daher nicht an die durch die materialistische Bourgeoisie materialistisch gewordenen Massen, sondern an die Leute, die ich für die allumfassende christliche Idee mehr empfänglich hielt. Der Erfolg war leider ein sehr geringer.“[57]
Felders politisches Wirken fiel genau in eine Zeit, in der sich der vatikanische Katholizismus massiv gegen „Fortschritt, Liberalismus und moderne Zivilisation“ stellte. Versammelt waren all die antikatholischen Irrlehen im Syllabus errorum von 1864, einem Anhang zur Enzyklika Quanta cura, die vor dem „verderblichen und todbringenden Irrtum des Kommunismus und des Sozialismus“[58] warnte. Im Syllabus ist unter § IV von den „Seuchen“ „Sozialismus, Kommunismus, Geheimgesellschaften, Bibelgesellschaften, klerikal-liberale[n] Gesellschaften“[59] die Rede. Die Etablierung des politischen Katholizismus im 19. Jahrhundert, vor allem unter Papst Pius IX. (Pontifikat von 1846 bis 1878),[60] war gleichsam eine zweite Gegenreformation, nach jener des 16. und 17. Jahrhunderts, zur katholischen Wiederverchristlichung der Gesellschaft.
Walter Methlagl hat in seiner – bedauerlicherweise ungedruckt gebliebenen – Habilitationsschrift eine umfangreiche kirchengeschichtliche Einbettung jener konfliktreichen Jahre, in denen sich Felder Lassalle und der Sozialdemokratie zuwandte, vorgenommen.[61] Das entsprechende Kapitel der Habilitationsschrift erschien als eigene Publikation in Fink’s Verlag im Jahre 1978,[62] als in der Vorarlberger Öffentlichkeit (wieder einmal) um Felders und Moosbruggers Stellung im Kampf der politischen Parteien Vorarlbergs 1864 – 1868 debattiert wurde. Eine Analyse des konkreten Einflusses der vatikanischen Erklärungen zum politischen Katholizismus auf das Kirchenleben in Vorarlberg ist übrigens ein Desiderat. Es könnte vielleicht durch eine Auswertung vor allem der Pfarrchroniken behoben werden.
Die politische Positionierung Felders hatte allseits spürbare Konsequenzen im Schoppernauer Dorfleben, als es 1868 um die Gemeindewahlen ging. Felders Gegner wurden vom Pfarrer Rüscher agitiert. Felder schreibt:
„Die Wahlbewegung wächst furchtbar. Wir sorgen, es könnte am Sonntag schlimm zugehen, die eine Hälfte des Dorfes steht der andern gegenüber. Uns halten die Frommen für Diebe, Spitzbuben, Gottesleugner, und eine andere Partei will uns an die Spitze der Gemeinde stellen, damit wir diesen Lügenpfarrer fortbringen. Verwirrung und Unklarheit hier, Fanatismus dort, Haß und Erbitterung auf beiden Seiten. […] Wir wollen aber sehen, ob nicht eine Einigung möglich wäre, wenn wirklich eine Meinungsverschiedenheit vorhanden sein sollte. Wir haben die neuen Grundgesetze [die liberalen Staatsgrundgesetze vom Dezember 1867, Anm. d. Verf.], aber nach Lassalle könnten sie auch nur ein beschriebenes Blatt sein, wenn nur eine Klasse dahinter steht. Sind sie hier wirklich, hier bei uns und noch weitum etwas mehr? Ist der Kampf aus oder geht er an? Sind wir mit den Ultramontanen fertig und ist’s ratsam, ihnen augenblicklich den vierten Stand in die Hand zu spielen? Ich gestehe offen, daß ich mehr um die heilige Sache des Volkes als um die Führerschaft kämpfe und kämpfen werde, wenn ich auch allein stehen müßte.“[63]
Felders literarische Verarbeitung des „ehernen Lohngesetzes“
Felders Zuwendung zu Lassalle bezieht sich auf die Zeitspanne von 1866 bis zu seinem Todesjahr 1869, während sie bei Moosbrugger bereits 1863 festzustellen ist. Ab etwa 1866 sah Felder auch sein literarisches Werk als Beitrag zur Verwirklichung der sozialpolitischen Vorstellungen. So wenn er in Reich und Arm (1868), seinem zweiten Roman, im 7. Kapitel auf entfremdete und schlecht entlohnte Arbeit zu sprechen kommt:
„Jener Handwerker, welcher sagte, um den Taglohn trage er das ganze Jahr Wasser vom Brunnen in den Bach oder werfe seinem Arbeitgeber Prügel und Steine nach, war gewiß ein armer Mann, der täglich im Schweiße des Angesichtes sein Brot verdienen mußte und auf der Welt nichts Höheres kennen lernte als den Feierabend. Er war doppelt arm, weil er die Freuden der Arbeit nie empfand, weil er sich nicht für einen Schaffenden, sondern nur für ein Werkzeug hielt. Die Bauern haben daher vielleicht gar nicht so unrecht, wenn sie jene Rede einen Fabriklerspruch nennen.“[64]
Wie legt nun Franz Michael Felder das „eherne Lohngesetz“ auf den Bregenzerwald um? Da Felder nicht in einem Umfeld proletarischer Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter, sondern in einem Milieu von Kleinbauern, Lohnstickerinnen und Wanderarbeitern („Fremdler“) wirkte, waren es für ihn diese wirtschaftlich prekären Schichten, die unter das „eherne Lohngesetz“ fielen. Dem Arbeiter, so Felder, müsse deswegen nicht als Konsument, sondern als Arbeiter und Produzent geholfen werden. Dasselbe galt Felder für die Kleinbauernschaft, die unter der Dominanz der Großhändler als „Käsebarone“ und Geldverleiher litt. Um deren ökonomische und soziale Lage zu verbessern, entwickelte Felder konkrete Vorstellungen zur Genossenschaftsgründung und setzte diese im Handwerkerverein auch praktisch um.
Seine Überlegungen sind in der 1866 verfassten Schrift Consum Verein oder Produktiv Association? zusammengefasst, in der er sich gegen das liberale Konzept von Konsum- und Sparvereinen (nach Schulze-Delitzsch) und stattdessen für den genossenschaftlichen Besitz des Produktivvermögens – im Sinne Ferdinand Lassalles – ausspricht.[65] Der Text blieb zu Felders Lebzeiten ungedruckt. Ursprünglich als Beilage zu einem Brief an Josef Feuerstein vom 10. August 1866 verfasst, beginnt Felder mit Überlegungen zur sozialen Frage:
„Diese Frage ist schon häufig aufgestellt worden. Es ist wohl eine der brennendsten, und um sie ins gern vermiedene Deutsche zu übersetzen, heißt sie: Haben wir zu Schulze oder Lassalle zu stehen? Muß dem Arbeiter oder der Gesamtheit geholfen werden?“[66]
Zwar könnte der kleine Konsumverein „eine Vorschule für das Genossenschaftswesen“ sein.
„Aber dem Arbeiter muß als Arbeiter, nicht als Konsument, als welcher er kaum neben dem Kapital zum Vorteil kommt, geholfen werden.“[67]
Das „furchtbare Gesetz“, wonach unter Konkurrenzbedingungen die Unterhaltskosten des Arbeiters (und der Arbeiterin) dessen Lohn bestimmen, habe noch von niemandem geleugnet werden können. Der Mensch könne als arbeitendes Wesen nur noch als Maschine betrachtet werden.[68]
Felder wendet sich damit definitiv von Schulze-Delitzsch ab, dem er vorwirft, er habe sich von der deutschen Geldbourgeoisie kaufen lassen[69] und statt vom produzierenden Zusammenschluss der Arbeiter vom Sparen geredet. Felder hingegen:
„Zweck meines Strebens ist, das Volk rührig, nicht es zum ‚sparenden‘ Philister zu machen. Lieber mit Hindernissen kämpfen und dann etwas Tüchtiges, Zeitgemäßes, als mit kleinen Vereinen […] die besten Kräfte im Lande zersplittern und entzweien.“[70]
Stattdessen will Felder mit Produktivgenossenschaften etwas Nachhaltiges schaffen, in welchem die Menschen in ihrer Arbeit Erfüllung finden und einen gerechten Anteil am Produzierten erhalten.
„[…] wäre also der Stickerin besser, sie bekäme billige Nadeln, Stücke etc., oder sie bekäme gute lohnende Arbeit, durch die sie als Bregenzerwälderin sich nähren und einen ehrenvollen Platz (durch den Verein) in der Welt bekäme? […] In meinem Verein wird alles nun aufleben, die Wirtschaft wird sich heben. […] Ein Konsum-Verein kann und wird nur den Krämergeist wecken. Hoffentlich zu einem kurzen Dasein.“[71]
Und Felder schließt mit Lassalle, unter Bezug auf den Sozialreformer Bismarck:
„Die soziale Frage ist die wichtigste der Gegenwart, denn sie ist die Frage aller Fragen und Bismarck stünde nicht, wo er steht, wenn er sie nicht besser verstünde als die Mehrzahl seiner Gegner. Darum sagt Lassalle: Er ist unser Gegner immer, doch er ist ein ganzer Mann, drum den Hut ab, bevor wir auf ihn schießen.“[72]
Im selben Jahr 1866, im Dezember, beendet Franz Michael Felder die Gespräche des Lehrers Magerhuber mit seinem Vetter Michel.[73] Der in Bezau bereits gesetzte Text wird nicht veröffentlicht, da der Bezauer Kapuzinerpater Beda Widmer davon Kenntnis erhalten hatte und den Text von der Kanzel herab verurteilte. Erst 1912 erscheint die Schrift in der sozialdemokratischen Parteizeitung Vorarlberger Wacht. In der Vorrede zu den Gesprächen konstatiert Felder:
„Der von wenigen kapitalbesitzenden Händlern abhängige Bauer fühlt seine Lage zu ähnlich der der Arbeiterbevölkerung größerer Orte, als daß die Arbeiterbewegungen, von denen die fleißiger, als man glaubt, gelesenen deutschen Zeitungen berichten, ihm hätten gleichgültig bleiben können. Und wie überall wurden auch hier mit der sozialen zugleich die politischen Fragen in den Kreis der Beratungen gezogen.“[74]
Diese Beratungen erfolgen in der Sennhütte, wo die Bauern einander treffen und wo Felder zugehört hatte. Der Lehrer Magerhuber war im vergangenen Sommer als Maurer in der Fremde gewesen, den Vetter Michel bezeichnet Felder als „einen ziemlich fortgeschrittenen liberalen Michel“.[75]
Im ersten Gespräch geht es um das Wesen des Staates, der ein Staat für alle sein sollte. Lassalle zitierend, plädiert der Lehrer:
„Der letzte und inhaltliche Zweck des Staates ist: Die menschliche Bestimmung, d.h. alle Kultur, deren das Menschengeschlecht fähig ist, zum wirklichen Dasein herausbringen und zu gestalten. Er ist die Erziehung und Entwicklung des Menschengeschlechtes zur Freiheit.“[76]
Im dritten Gespräch erörtern der Lehrer Magerhuber und sein Vetter Michel die Folgen der Industrialisierung und der Wirkung der großen Maschinerie – „auf Kosten des armen Arbeiters, der nun seine Kraft und seine Zeit viel billiger zu verkaufen gezwungen ist.“[77] Um dem entgegenzuwirken, muss der Arbeiter „wieder sein eigener Unternehmer werden, damit ihm der volle Arbeitsertrag zukomme und er wirklich teilhabe an den Wohltaten der Vergesellschaftung und der Macht des Menschen über die Natur“[78]. Und der Lehrer kommt gegen Ende zu dem Schluss:
„Die Ausbeutung derjenigen, die für alle arbeiten und sorgen, muß ein Ende nehmen, der entsittlichende Krieg aller gegen alle muß aufhören und wird aufhören. Denn alles der großen Mehrzahl Unerträgliche hat einmal aufgehört. Jeder nur etwas gebildete Arbeiter weiß das, wie das Gebaren der vielen, in letzter Zeit entstandenen Arbeitervereine deutlich genug beweist.“[79]
Zum Lehrer Magerhuber – fertiggestellt zur Korrektur durch Kaspar Moosbrugger im Dezember 1866 – kommentiert dieser:
„Ich halte es für eine recht gelungene Parteischrift und bin mit Freuden einverstanden, daß es als unsere nächste Manifestation vom Stapel gelassen werde. Die Form ist gut gewählt und geeignet, der Sache Vorschub zu leisten. Die Einleitung ist trefflich. Im ersten Gespräch hat mich die Art, wie Du das Weib in die gesellschaftliche Stellung eingeführt hast, bedenklich gemacht. Abgesehen davon, daß es unästhetisch ist, das Weib als Fuhrmann zu sehen, wäre ich nicht einverstanden, das Weib als Arbeiterin neben den Mann zu stellen. Soweit soll die Gleichheit nicht getrieben werden. In dem Ausdruck ‚gereifte männliche Vernunft‘, den auch Du mit Recht gebraucht hast, dachte ich auch an die weibliche Stellung in der Gesellschaft und wollte diese zu Gunsten der Familie in ihrer Reinheit bewahrt wissen. Konsequenter Weise müßtest Du auch dem Weib das Stimmrecht zuerkennen. Mit dem würden wir aber gerechtes Fiasko machen.“[80]
Felder bezieht sich in seiner Antwort, gleichsam entschuldigend, auf den liberalen Denker und Zeitgenossen John Stuart Mill (1806–1873), einen Vertreter der Frauenemanzipation und damit des Frauenwahlrechts:
„John Stuart Mills Idee von der Gleichberechtigung des Weibes hab ich auch außer der ‚männlichen Vernunft‘ nicht als unsere erscheinen lassen, doch das ziehende Weib ist mir beim zweiten Lesen vorgekommen wie Dir.“[81]
Franz Michael Felder zieht also in der Frage einer gleichberechtigten politischen Stellung der Frau gegenüber seinem Schwager Kaspar Moosbrugger zurück. Bemerkenswert ist, dass Felder in seiner Phase der Verarbeitung ökonomischer Themen auch das im engeren Sinn literarische Werk in den Dienst der politischen Aufklärung stellen will. Das gilt für seinen Roman Reich und Arm – eine Schilderung der Dorfgemeinschaft im hinteren Bregenzerwald –, der zu dieser Zeit in Arbeit ist und im April 1867 erscheint. Auch die Sonderlinge, die sich ebenfalls in Arbeit befinden und im Mai 1867 in Leipzig herauskommen, sieht Felder als mögliches Instrument seiner und Moosbruggers politischen Absichten. So schreibt er am 23. November 1866 an seinen Schwager:
„Das Erscheinen der Sonderlinge wäre mir sehr erwünscht, die würden uns neue Türen auftun und auch von außen Gewicht verschaffen.“[82]
Franz Michael Felder als widerständiger Geist und Lassalleaner
Indem Lassalle und Felder angenommen haben, dass ein „ehernes Lohngesetz“ den Lohn der Arbeiterinnen und Arbeiter immer auf jenes Minimum beschränke, das für deren bloße Existenz und ihren Nachwuchs ausreicht, war eine Grundannahme getroffen, von der aus sowohl Lassalle als auch Felder weitere Überlegungen begründen konnten: Bildung von Produktiv-Assoziationen, die ihr Betriebskapital durch staatliche Kreditmittel erhalten sollten.
Diese Kreditmittel und damit die Entmachtung der Kapitalisten waren freilich von einem Staat nicht zu erwarten, der durch das bestehende Wahlrecht in der ausschließlichen Hand der Wohlhabenden war. Erst durch ein allgemeines und gleiches Wahlrecht würde der Staat eine Verfassung erhalten, die die Bildung und Unterstützung der Produktiv-Assoziationen ermöglicht.
Die Inanspruchnahme Felders für die Vorarlberger Landesregierung durch Landeshauptmann Markus Wallner anlässlich der Felder-Ausstellung im Vorarlberg Museum im Jahr 2014 und dessen gleichzeitige politische Immunisierung ist angesichts des Felder’schen und Moosbrugger’schen Denkens nicht aufrechtzuerhalten. Auch Walter Methlagl taugt nicht als Kronzeuge für einen der Politik entrückten Felder. Methlagl, dessen Herausgeber- und Kommentar-Arbeit für die hier dargestellten Zusammenhänge gar nicht genug geschätzt werden kann, hat unter anderem in seinem Kommentar zum Briefwechsel Felder – Moosbrugger oder in seinem Text-Bild-Band Der Traum des Bauern die starke Beeinflussung Felders durch Lassalle nachgewiesen.[83] Das spätere genossenschaftliche und schriftstellerische Werk Felders etwa ab 1866/67 wäre ohne Lassalle nicht zu denken gewesen. Moosbrugger und Felder waren Anhänger dieses deutschen Sozialdemokraten und von dessen Verständnis von Ökonomie, Gesellschaft und Staat.
Ob Franz Michael Felders Denken für heutige Verhältnisse angemessen ist, muss zumindest im Hinblick auf seine ökonomischen Implikationen bezweifelt werden. Das „eherne Lohngesetz“ war so ehern nicht. Die Reallöhne haben sich für einen sehr großen Teil der Arbeiterinnen und Arbeiter, der Staatsangestellten erst recht, über das Existenzminimum hinausbewegt. Die Kinderzahl, bei Lassalle der Motor zur Bewegung des Lohnes Richtung Existenzminimum, steigt nicht mit wachsendem Einkommen – im Gegenteil. Das Genossenschaftswesen als breitflächige Organisation der Wirtschaft und als Alternative zum Privatkapital hat sich nicht durchgesetzt. Es besitzt punktuell Bedeutung, die sich aber wegen des schnellen Wandels des Arbeitsmarktes und der Produktionsmittel verringert hat. Eine für die Führung von Betrieben relativ schwerfällige Organisationsform wie die Genossenschaft kann sich angesichts von Globalisierung, diversifizierten Lieferketten und rapiden technologischen Entwicklungen schlecht halten. Es sei denn, die Führungselite einer Genossenschaft verselbständigt sich, sodass die Genossenschaft nur dem Namen nach existiert – wie wir es von einschlägigen Banken kennen.
Der Staat ist also nicht zum Akteur einer breitflächigen Etablierung von Produktivgenossenschaften geworden. Dennoch hat er eine eminente gestaltende Funktion gewonnen: als Sozialstaat, der durch finanzielle und andere Transferleistungen für eine Verringerung sozialer Ungleichheit sorgt. Arbeitsrecht, Arbeitszeitregelungen, Gewerbeinspektorate, Krankenversicherung, Pensionsversicherung, Zurverfügungstellung eines Gesundheits- und eines Bildungssystems – das alles determiniert die soziale Verfassung eines heutigen Staates. Das waren langsame, oft umstrittene Entwicklungen, die durch das Koalitionsrecht der Arbeiter (1869 in Nord-Deutschland, 1870 in Österreich) und damit die Entstehung von Gewerkschaften wesentlich befördert wurden. Der „sorgende Staat“ übernimmt Funktionen des sozialen Ausgleichs,[84] die jedoch nie unumstritten sind, sondern stets Verteilungskämpfen unterliegen.
Das war Felder: ein unbeugsamer, wacher und dem fortschrittlichen Denken seiner Zeit aufgeschlossener Geist, der nicht nur dem Druck des Dorfpfarrers widerstand, sondern selbst die Drohung physischer Angriffe in Kauf nahm.
Resümee: Zum Zusammenhang von Felders ökonomischem und politischem Denken
In diesem Beitrag galt es, den Zusammenhang von ökonomischem und demokratiepolitischem Denken Felders genauer ins Auge zu fassen – also anhand von Felders Texten zu zeigen, dass Felders und Moosbruggers Forderung nach einem allgemeinen, direkten und vor allem gleichen Wahlrecht viel mit dem „ehernen Lohngesetz“ zu tun hat, das für Felder und Moosbrugger im Anschluss an Lassalle eine ökonomische Tatsache war. Diesem „ehernen Lohngesetz“ zufolge pendelt unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen der Lohn des Arbeiters und der Arbeiterin zwangsläufig immer um dessen/deren physisches Existenzminimum.
Aus diesem Verständnis des „ehernen Lohngesetzes“ folgte die Forderung nach „Produktiv-Assoziationen“ (statt Konsum- und Sparvereinen) zur Lösung der sozialen Frage. Der Arbeiter und Kleinbauer sollte zum Eigentümer der Produktionsmittel gemacht werden – damit war die Frage nach den Eigentumsverhältnissen am Produktionsvermögen politisch gestellt.
Felder wollte, dass Kleinbauern und Arbeiter einen Anteil am Produktionsvermögen besitzen. Sie sollten nicht nur preisgünstigere Lebensmittel erhalten (oder eben ein bisschen höhere Zinsen aufs Ersparte und etwas geringere aufs Geborgte). Denn da Felder in dieser Frage Lassalle und dessen Idee des „ehernen Lohngesetzes“ folgte – wonach unter kapitalistischen Verhältnissen der Lohn sich immer um das Existenzminimum bewege –, hätte eine Verwohlfeilerung der Lebensmittel ja nur die Kosten der Ware Arbeitskraft gesenkt. Diese Kostensenkung wiederum wäre aufgrund eben dieses „ehernen Lohngesetzes“ nicht den arbeitenden Menschen, sondern in Form einer Verringerung des zu zahlenden existenzminimalen Lohnes nur jenen Privatunternehmern und Monopolisten zugutegekommen, die die Arbeiter beschäftigen beziehungsweise sich (im Falle der Kleinbauern) deren Arbeitsprodukte aneignen.
Mit bloßen Spar- und Konsumvereinen, die nicht auch die Frage des Eigentums an den Produktionsmitteln angingen, wollte Felder eben aus ganz prinzipiellen gesellschafts- und wirtschaftstheoretischen Erwägungen nichts zu tun haben.
Diese Produktiv-Assoziationen sollten – da die Kleinbauern und Arbeiter über das nötige Kapital eben aufgrund des „ehernen Lohngesetzes“ nicht verfügten – durch zinsfreie staatliche (Kredit-)Finanzierung ermöglicht werden. Felder und Moosbrugger hatten dabei auch das Land Vorarlberg im Auge.
Ein Staat jedoch, der durch das Zensuswahlrecht in der Hand des wohlhabenden (liberalen) Bürgertums war, würde diese Aufgabe nicht in Angriff nehmen. Deshalb Felders und Moosbruggers Forderung nach einem Staatswesen, das durch die Mehrheit der armen Bevölkerung bestimmt war und in deren Interesse handeln würde. Möglich wäre das nur durch ein allgemeines und gleiches Wahlrecht – ganz im Sinne des Sozialdemokraten Ferdinand Lassalle.
Hier schließt sich also der Kreis von ökonomischem und demokratiepolitischem Denken und Wirken Felders.
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[1] Franz Michael Felder an Josef Feuerstein, 10.8.1866. In: Franz Michael Felder: Briefwechsel 1856–1869, 1. Teil. Hg. v. Walter Methlagl. Bregenz: Lingenhöle 1981, S. 215.
[2] Redeunterlage für LH Wallner. Eröffnung der Sommerausstellung „Ich, Felder. Dichter und Rebell“, Freitag, 27. Juni 2014. Vorarlberger Landesbibliothek, AU : 135 : 1.
[3] Arnulf Häfele: Franz Michael. In: Vorarlberger Nachrichten, 4.7.2014, S. A3.
[4] Eugen Thurnher: Das literarische Schaffen. In: Landes- und Volkskunde. Geschichte, Wirtschaft und Kunst Vorarlbergs. Bd. 4 – Die Kunst. Hg. v. Karl Ilg. Innsbruck, München: Wagner 1967, S. 213 – 304, hier S. 214 – 218.
[5] Ferdinand Lassalle: Arbeiter-Programm. Über den besonderen Zusammenhang der gegenwärtigen Geschichtsperiode mit der Idee des Arbeiterstandes [Berlin 1862]. In: ders.: Gesammelte Reden und Schriften, Bd. 2. Hg. v. Eduard Bernstein. Berlin: Paul Cassirer 1919, S. 139 – 202, hier S. 198. Ganz ähnlich ders.: Die Wissenschaft und die Arbeiter. Eine Verteidigungsrede vor dem Berliner Kriminalgericht gegen die Anklage, die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Verachtung gegen die Besitzenden öffentlich angereizt zu haben [Zürich 1863]. In: ders.: Gesammelte Reden und Schriften, Bd. 2. Hg. v. Eduard Bernstein. Berlin: Paul Cassirer 1919, S. 203 – 284, hier S. 240 f.
[6] Franz Michael Felder: Gespräche des Lehrers Magerhuber mit seinem Vetter Michel [1867]. In: ders.: Vermischte Schriften. Ediert von Walter Methlagl. Bregenz: Lingenhöle 1979, S.155 – 185, hier S. 168.
[7] Eugen Thurnher: Einführung. In: Franz Michael Felder – Kaspar Moosbrugger, Briefwechsel 1. Teil. Bearb. v. Eugen Thurnher. Bregenz: Lingenhöle 1970, S. 7 – 15, hier S. 13.
[8] Moosbrugger an Felder, St. Georgi (= 23.4.) 1863. Briefwechsel 1. Teil. (Anm. 7), S. 56.
[9] Moosbrugger an Felder, 4.1.1864, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 112.
[10] Moosbrugger an Felder, 16.4.1864, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 128.
[11] Moosbrugger an Felder, 28.7.1864, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 147.
[12] Moosbrugger an Felder, 19.9.1864, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 159.
[13] Moosbrugger an Felder, 11.12.1864, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 173 f.
[14] Moosbrugger an Felder, 4.5.1865, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 189.
[15] Felder an Moosbrugger, 4.9.1864, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 156.
[16] Ferdinand Lassalle: Herr Bastiat-Schulze von Delitzsch, der ökonomische Julian: oder Capital und Arbeit. Berlin: Schlingmann 1864.
[17] Felder an Moosbrugger, 9.12.1864, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 171.
[18] Moosbrugger an Felder, 11.4.1866, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 252.
[19] Felder an Josef Feuerstein, 10.8.1866. In: Franz Michael Felder: Briefwechsel 1856–1869, 1. Teil (Anm. 1), S. 215.
[20] Felder an Moosbrugger, 26.3.1868. In: Briefwechsel 2. Teil. Bearb. v. Eugen Thurnher. Bregenz: Lingenhöle 1972, S. 144.
[21] Siehe https://felderbibliothek.at/ [letzter Zugriff 1.9.2024].
[22] Ferdinand Lassalle: Offenes Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Berufung eines allgemeinen deutschen Arbeiterkongresses zu Leipzig. [Zürich 1863]. In: ders.: Gesammelte Reden und Schriften, Bd. 3. Hg. v. Eduard Bernstein. Berlin: Paul Cassirer 1919, S. 39 – 92, hier S. 58 f.
[23] Ebd., S. 81.
[24] Ebd., S. 88 f.
[25] Ferdinand Lassalle: Offenes Antwortschreiben (Anm. 22), S. 47.
[26] Ferdinand Lassalle: Bastiat-Schulze von Delitzsch (Anm. 16), S. 33.
[27] Ebd., S. 29.
[28] Ebd., S. 30.
[29] Recte: Thomas Tooke: Die Geschichte und Bestimmung der Preise während der Jahre 1793 – 1857. Dresden: Kuntze 1858.
[30] Ferdinand Lassalle: Bastiat-Schulze von Delitzsch (Anm. 16), S. 31 f.
[31] Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei [1848]. In: Marx-Engels-Werke, Bd. 4. Berlin: Dietz 1977, S. 459 – 493, hier S. 464.
[32] Karl Marx: Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons „Philosophie des Elends" [1847]. In: Marx-Engels-Werke, Bd. 4. Berlin: Dietz 1977, S. 63 – 182, hier S. 109.
[33] Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band [1867]. Marx-Engels-Werke, Bd. 23. Berlin: Dietz 1962, S. 185.
[34] Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band [1893], Marx-Engels-Werke, Bd. 25. Berlin: Dietz 1964, S. 151.
[35] Karl Marx: Kapital I (Anm. 33), S. 59.
[36] Karl Marx: Kapital I (Anm. 33), S. 790 f.
[37] Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei (Anm. 31), S. 474.
[38] Programmtext in Walter Methlagl: Franz Michael Felder – Kaspar Moosbrugger. Briefwechsel – Kommentar. Bregenz: Lingenhöle 1975, S. 325 – 337.
[39] Ebd., S. 330 f.
[40] Ebd., S. 334.
[41] Ebd., S. 336.
[42] Ebd., S. 340 f.
[43] Der Social-Demokrat, 23.11.1866, S. 2.
[44] Felder an Moosbrugger, 29.11.1866, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 301 f.
[45] Siehe Harald Walser: „Lieber mit Hindernissen Jahre kämpfen und dann ...“. Reformansätze im Bregenzerwald zur Zeit Franz Michael Felders (1839 – 1869). In: Die Roten am Land. Arbeitsleben und Arbeiterbewegung im westlichen Österreich. Hg. v. Kurt Greussing. Steyr: Museum Industrielle Arbeitswelt 1989, S. 13 – 17.
[46] Gerhard Oberkofler: Anfänge – Die Vorarlberger Arbeiterbewegung bis 1890. Vom Arbeiterbildungsverein zur Arbeiterpartei. In: Im Prinzip: Hoffnung. Arbeiterbewegung in Vorarlberg 1870 – 1946. Beiträge zu Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, Bd. 4. Hg. v. Kurt Greussing. Bregenz: Fink’s Verlag 1984, S. 22 – 72, hier S. 38 – 51 und S. 66.
[47] In: Walter Methlagl: Briefwechsel – Kommentar (Anm. 38), S. 342 – 363.
[48] Ebd., S. 360.
[49] Zehn Millionen Gulden im Jahr 1867 entsprechen der Kaufkraft von ungefähr 163 Millionen Euro im Jahr 2023. Siehe Historischen Währungsrechner der Österreichischen Nationalbank. Online unter: https://finanzbildung.oenb.at/docroot/waehrungsrechner [letzter Zugriff: 1.9.2024].
[50] In: Walter Methlagl: Briefwechsel – Kommentar (Anm. 38), 342 – 363, hier S. 361.
[51] Ebd.
[52] Ebd.
[53] Felder an Moosbrugger, 22.01.1868, Briefwechsel 2. Teil (Anm. 20), S. 112–114.
[54] Felder an Moosbrugger, 3.7.1867, Briefwechsel 2. Teil (Anm. 20), S. 57.
[55] Felder an Hildebrand, 9.3.1868. In: Franz Michael Felder – Rudolf Hildebrand: Briefwechsel 1866–1869, Hg. v. Walter Methlagl, Bregenz: Lingenhöle 1984, S. 258.
[56] Felder an Moosbrugger, 9.4.1868, Briefwechsel 2. Teil (Anm. 20), S.150. Zur Diffamierung Felders als Freimaurer und zu seinem Verhältnis zum Freimaurertum siehe Ulrike Längle: Felders Sonderlinge – ein Freimaurerroman? In: Franz Michael Felder (1839–1869). Aspekte des literarischen Lebens. Hg. v. Ulrike Längle und Jürgen Thaler. Wien: Böhlau Verlag 2010, S. 121 – 156.
[57] Moosbrugger an Felder 22.8.1868, Briefwechsel 2. Teil (Anm. 20), S. 174.
[58] Siehe https://www.kathpedia.com/index.php?title=Quanta_cura_(Wortlaut) [letzter Zugriff: 1.9.2024].
[59] Siehe https://www.kathpedia.com/index.php/Syllabus_errorum_(Wortlaut) [letzter Zugriff: 1.9.2024].
[60] Siehe Hubert Wolf: Der Unfehlbare. Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert. München: C. H. Beck 2020.
[61] Walter Methlagl: Die Entstehung von Franz Michael Felders Roman „Reich und Arm“. Ein Erwartungshorizont. Habil-Schrift. Universität Innsbruck 1977, S. 134 – 239.
[62] Walter Methlagl: Franz Michael Felder und Kaspar Moosbrugger im Kampf der politischen Parteien Vorarlbergs 1864 – 1868. Bregenz: Fink’s Verlag 1978.
[63] Felder an Moosbrugger, 22.1.1868, Briefwechsel 2. Teil (Anm. 20), S. 114 f.
[64] Franz Michael Felder: Reich und Arm [1868], Hg. v. Karl-Heinz Heinzle. Bregenz: Lingenhöle 1973, S. 106.
[65] Franz Michael Felder: Konsum-Verein oder Produktiv-Assoziation? [1866]. In: ders.: Vermischte Schriften. Ediert von Walter Methlagl. Bregenz: Lingenhöle 1979, S. 151 – 154.
[66] Felder, Konsum-Verein oder Produktiv-Assoziation? (Anm. 65), S. 151.
[67] Ebd., S. 151.
[68] Vgl. ebd., S. 151.
[69] Ebd., S. 152.
[70] Ebd., S. 152.
[71] Ebd., S. 153.
[72] Ebd., S. 154.
[73] Franz Michael Felder: Gespräche des Lehrers Magerhuber mit seinem Vetter Michel. In: ders.: Vermischte Schriften. Bregenz: Lingenhöle 1979, S. 155 – 185.
[74] Ebd., S. 157.
[75] Ebd.
[76] Ebd., S. 168.
[77] Ebd., S. 178.
[78] Ebd., S. 179.
[79] Ebd., S. 185.
[80] Moosbrugger an Felder, 11.12.1866, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 306.
[81] Felder an Moosbrugger, 18.12.1866, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 311.
[82] Felder an Moosbrugger, 23.11.1866, Briefwechsel 1. Teil (Anm. 7), S. 296; siehe auch Birgit M. Feierl: „Das dümmste Geschwätz und das erbärmlichste Lied können Wunderdinge ...“. Sprechakte in Franz Michael Felders Roman „Sonderlinge“. Diss. Univ. Wien 2009, S. 93.
[83] Walter Methlagl: Franz Michael Felder – Kaspar Moosbrugger. Briefwechsel – Kommentar (Anm. 38), u.a. S. 58f., 269 sowie ders.: Der Traum des Bauern. Franz Michael Felder 1839 – 1869. Bregenz: Fink’s Verlag 1984, S. 54 – 64.
[84] Siehe Josef Weidenholzer: Der sorgende Staat. Zur Entwicklung der Sozialpolitik von Joseph II. bis Ferdinand Hanusch. Wien: Europa-Verlag 1985.