Vorarlberger Nachrichten, S. A6
Schwarzach (VN-sd) "Wir nehmen die Sache sehr ernst", sagt jetzt der
Silbertaler Bürgermeister Willy Säly. Die Gemeindevertretung wollte
sich gestern Abend mit der Causa Vallaster ausführlich befassen. "Wir
verurteilen diese abscheulichen Kriegsverbrechen auf das Schärfste und
wollen restlose Aufklärung seiner Taten", sagt der Gemeindechef.
Klaus Vallaster, der Sohn von Josef Vallaster.
(Foto: Vallaster)
Als nächster Schritt soll in einer Arbeitsgruppe - bestehend aus
Bürgern, Politikern und Historikern - die Nazi-Vergangenheit von
Vallaster im Silbertal aufgearbeitet werden. Dort soll auch festgelegt
werden, wie es weitergeht und ob der Name des Kriegsverbrechers vom
Gedenkstein für die Opfer der Weltkriege entfernt werden wird. Josef
Vallasters Sohn Klaus hat "gar keine Bedenken, wenn der Name meines
Vaters entfernt wird. Ich empfand dieses Denkmal immer als äußerst
hässlich".
Wir haben bis zu den ersten Berichten in den "VN" vor ein paar Tagen
ganz einfach nichts gewusst", verteidigt sich Säly. Er hatte in einer
ersten Stellungnahme angezweifelt, dass Josef Vallaster am Massenmord
von 250.000 Juden und Behinderten beteiligt gewesen war.
Wir wollten und wollen die Machenschaften von Vallaster weder
verharmlosen noch verdrängen oder verheimlichen. Im Gegenteil", sagt
Säly.
Man sei einfach überrascht worden. "Das hat vielleicht in dem einen
oder anderen Fall für verwirrende Aussagen gesorgt", sagt das
Gemeindeoberhaupt. "Es ist bedauerlich, dass wir falsch verstanden
wurden. Wenn jemand dadurch gekränkt oder verletzt wurde, möchten wir
uns dafür entschuldigen."
Der aus dem Silbertal stammende Grafik-Designer Reinhold Luger
wünscht sich eine kritische, aber behutsame Aufarbeitung der
NS-Vergangenheit im Dorf seiner frühen Kindheit:
Sinnvoll wäre, wenn das Land oder der Stand Montafon sich dieser
schwierigen Thematik annehmen würde und mit Hilfe von Experten,
Mediatoren und Historikern ein Prozess eingeleitet wird, bei dem
gemeinsam mit allen Silbertalern die Materialien zum Fall Vallaster
gesichtet und besprochen werden."

Soll der Name von Josef Vallaster vom Silbertaler
Gedenkstein entfernt werden? (Fotos: Hofmeister, Vallaster)
Dabei sei darauf zu achten, dass "keine Verwandten in Sippenhaft
genommen werden", dass niemand moralisch verurteilt werde, dass das 900
Einwohner zählende Silbertal "nicht gespalten wird".
NS-Aufarbeitung sei zwar "ein mühsamer, schmerzhafter Prozess", aber
ein notwendiger und letztlich heilsamer. "Sonst wird ein wirkliches
Zusammenleben nicht gelingen", meint der ehemalige 68er.
Die Verantwortung fürs eigene Leben soll man keinem Führer
überantworten.
REINHOLD LUGER, Ex-68er

Reinhold Luger