Kurt Greussing (2025): Land Vorarlberg distanziert sich von Ehrenzeichen für Natalie Beer
Mehr als vier Jahre, nachdem die Marktgemeinde Rankweil den von ihr an Natalie Beer verliehenen Ehrenring "symbolisch" aberkannt hat, ist nun auch bei der Vorarlberger Landesregierung Bewegung in diese lange dauernde Angelegenheit gekommen. Am 9. Dezember 2025 beschloss der Vorarlberger Landesehrenzeichenrat unter dem Vorsitz von Landeshauptmann Markus Wallner, sich von der Verleihung des Silbernen Ehrenzeichens an die bekennende Nationalsozialistin zu distanzieren. Ein physischer Rückruf des Ehrenrings und des Ehrenzeichens wäre wohl nur durch eine Gesetzesänderung möglich gewesen, was Wallner ablehnte - doch immerhin erfolgte nun die ausdrückliche Distanzierung von der Verleihung. Die Mitteilung des Beschlusses des Landesehrenzeichenrates, dem sich die Landesregierung anschloss, nachstehend im Wortlaut:
Der Vorarlberger Schriftstellerin Natalie Beer wurde im Jahr 1975 das Silberne Ehrenzeichen des Landes verliehen. Der Landesehrenzeichenrat hält bei seiner jüngsten Sitzung fest, dass Beer sich der ihr verliehenen Auszeichnung als nicht würdig erwiesen hat und distanzierte sich von der Verleihung des Silbernen Ehrenzeichens an Frau Natalie Beer.
Beer trat 1940 der NSDAP und der Reichsschrifttumskammer bei. Von 1942 bis Kriegsende war sie als Gau-Abteilungsleiterin „Presse-Propaganda der NS-Frauenschaft“ für Tirol-Vorarlberg tätig und galt damit als eine der ranghöchsten Nationalsozialistinnen in Vorarlberg. Nach dem Ende des Hitler-Regimes etablierte sich Natalie Beer im neuen demokratischen Staat als Schriftstellerin und Dichterin. Sie publizierte ab 1951 in den Vorarlberger Nachrichten und arbeitete unter dem Pseudonym Ursula Berngath für das Radio in Vorarlberg.
Hier wird ersichtlich, dass öffentlicher, dauerhafter Druck doch Wirkung erzielen kann. Zum Beschluss von Landeszeichenehrenrat und Landesregierung hat sicherlich auch ein kritischer Kommentar von Kurt Bereuter geführt, der zeitnah, am 16. November 2025, in der "Neuen Vorarlberger Tageszeitung" erschienen war. Kurt Bereuter veröffentlichte dazu schon 2021 in der Zeitschrift "Kultur" zwei ausführliche Berichte über Natalie Beer und ihre Überzeugung, die damals allerdings folgenlos blieben.
Zum Nachlesen:
Beitrag in der "Neuen" vom 16.11.2025
Beitrag in der "Kultur" vom September 2021
Beitrag in der "Kultur" vom Mai 2021
Analysen zum Wirken und zur Nachwirkung der Schriftstellerin Natalie Beer:
Meinrad Pichler (2025): Natalie Beer (1903–1987) – „Ich kann nicht sagen, dass ich mich irgendwie gewandelt hätte“
Harald Walser (1984): "... nicht die Letzten?" Der "Fall Beer" und die Vorarlberger Kulturpolitik