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10.12.2007 / Leserbrief: Ohne Einladung keine Ausladung!

Vorarlberger Nachrichten
10.12.2007, Leserbrief

Nie würde ich behaupten, dass der Bürgermeister der Stadt Dornbirn "ehemalige Zwangsarbeiter/innen aus Rowenki/Ukraine und seinen Bürgermeisterkollegen" "eingeladen" hat!

Nach monatelangen Vorbereitungen standen elf Personen auf der Visaliste (eine städtische Delegation sowie letztlich drei reisefähige ehemalige Zwangsarbeiter und Angehörige). Eine solche arbeitsintensive Vorbereitung kann man allerdings nicht als "Einladung" bezeichnen (auch wenn eine städtische Einrichtung - das Stadtarchiv - in enger Absprache mit dem Rathauschef an dieser Liste mitgewirkt hat). Dass ein Termin fixiert wurde (4.11.-8.11.2007), die Flugzeiten feststanden, an das Land Vorarlberg ein Finanzierungsbeteiligungsansuchen (Zwangsarbeiterthema ist auch Landessache!!) gestellt wurde - all das kann doch noch nicht den Terminus "Einladung" rechtfertigen! Und wo nicht eingeladen wird, wird auch nicht ausgeladen!

Richtig ist, dass der Bürgermeister von Dornbirn am Wochenende vom 29.9. den geplanten Besuch platzen ließ: Keine Delegation aus Rowenki nach Dornbirn, das projektierte Geld wird in die Ukraine überwiesen. Das ist doch mehr als nobel!

In Rowenki herrscht eine andere Sichtweise: Der Bürgermeister von Rowenki und sein Team, das den Historiker-Gästen aus Vorarlberg bei ihren Feldforschungen so behilflich war, wollte Kontakte knüpfen, die ehemaligen Zwangsarbeiter wollten den Ort ihrer Jugend noch einmal sehen und durch einen Empfang ein Stück ihrer Würde zurückerhalten - alles für sie wichtiger als Geld. Aber selber schuld, wenn sie sich gefreut haben: Eine Einladung ist erst eine Einladung, wenn die endgültige Liste vom Dornbirner Bürgermeister offiziell abgesegnet wird. Dass die Besucherzahl wegen Krankheit u.ä. (die nunmehrigen Gäste sind über 80!) kürzer wurde: ihr Pech! Und wegen dieser letzten Reisefähigen lohnt sich der ganze Aufwand doch wirklich nicht! Schließlich hat das Land sogar schon in den "Versöhnungsfonds" eingezahlt! Diese lästigen Historiker sollen uns mit dem Thema "Zwangsarbeit" doch endlich in Ruhe lassen! Soziale Einrichtungen in Rowenki unterstützen wir ja, was wollen die denn noch mehr?

Dr. Werner Bundschuh

 

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