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23.04.2014 - Metro-Kino Bregenz: Stefan Ruzowitzky "Das radikal Böse"

Ort und Zeit: Metro-Kino Bregenz, 23.4.2014, 20 Uhr. Nach dem Film Diskussion mit Werner Bundschuh
 Was hat ganz normale Männer dazu gebracht, zweieinhalb Millionen Frauen, Kinder und Greise zu erschießen – jedes Opfer einzeln? Ein Filmessay des Oscar-Preisträgers Stefan Ruzowitzky versucht, darauf eine Antwort zu geben. Er hat dazu Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Aussagen von Mitgliedern von Erschießungskommandos ausgewertet. 

Infos und Trailer zum Film: - link

Material für die Schulen: - download

Kritische Anmerkungen zum Material von Gerald Lamprecht (_erinnern.at_):

Mit dem Film „Das radikal Böse“ widmet sich Stefan Ruzowitzky einem in der Öffentlichkeit noch immer weitgehend unbekannten Teil des Holocaust – der massenhaften Ermordung von Jüdinnen und Juden durch Einsatzgruppen der SS unter Beteiligung und Mitwirkung von ortsansässigen Hilfstruppen wie auch Teilen der Wehrmacht.

Der Film, der zweifelsohne ein wichtiges Thema behandelt, wurde als „pädagogisch wertvoll“ eingestuft und in diesem Sinne auch besonders für Schulen beworben. Zum Einsatz im schulischen Kontext wurden nun angefügte Schulmaterialien von den Machern des Films erarbeitet.

Diesen Materialien wollen wir noch einige kritische Überlegungen zur Seite stellen:

  • Die Grundaussage des Film lautet , dass auf Grund menschlicher Eigenheiten und Dispositionen jeder zum Mörder werden kann, wenn die Rahmenbedingungen entsprechende sind. Dies kann man mit den im Film angesprochenen Experimenten zum autoritären Charakter und zur Konformität auch zeigen. Vernachlässig wird dabei jedoch im historischen Kontext, dass es sich bei den Mitgliedern der Einsatzgruppen keineswegs nur um „normale Männer“ gehandelt hat. Vielmehr waren diese Mitglieder der SS, des SD und somit im Sinne der Nationalsozialistischen eine ideologische Elite.  Es scheint uns daher wichtig zu sein, in diesem Kontext auch  vermehrt über Ideologie zu sprechen. Denn diese ist mehr als bloße Propaganda und verweist stark auf die handelnden Personen selbst. Diese waren zum Großteil eben nicht einfach von der Propaganda Verführte/Geblendete oder Unschuldige die in diese Situationen hineingestolpert sind und dann keinen Ausweg mehr fanden.
  • In dem genannten Kontext wäre es sicher lohnenswert sich verstärkt mit jenen zu beschäftigen, die sich aus dem Erschießungskommandos zurückzogen. Warum taten sie das? Was geschah mit ihnen?
  • Weiters scheint es wichtig zu sein, dass der Umgang mit den Quellenmaterialien im Film kritisch diskutiert wird. Denn es stellt zweifelsohne einen Unterschied dar, ob jemand in der Zeit einen Feldpostbrief an seine Verwandten schickt, oder in einem Gerichtsverfahren viele Jahre später, in dem seine Schuld verhandelt wird, eine Zeugenaussage macht. Wichtig wäre daher auch die Debatte über historische Quellen und ihren Einsatz im Film.

Eine Veranstaltung des Filmforums Bregenz. Die Veranstaltung in der Reihe METRO DISPUT erfolgt in Zusammenarbeit mit der Johann-August-Malin-Gesellschaft, ACUS, Renner-Institut, die Grüne Bildungswerkstatt und Jüdisches Museum Hohenems und _erinnern.at_.

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