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25.06.2008 / Ehemalige Zwangsarbeiter zu Besuch in Vorarlberg

Dornbirn - Nikolaj Skrypnik muss mit den Tränen kämpfen, wenn er sich an die Zeit als Zwangsarbeiter bei den Illwerken im Montafon erinnert.

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Skrypnik

Viel hat er nach den langen Jahren nicht mehr zu erzählen, aber die Ortsnamen Bludenz, Schruns und Partenen wiederholt er immer wieder. In Bludenz ist er mit dem Transport angekommen, dann wurden er und seine Kameraden in Richtung Silvretta gekarrt, wo der damals 16-Jährige von früh bis spät gemeinsam mit rund 80 Leidensgenossen in 2000 Meter Höhe schuften musste. Erst 1945 konnte er in seine Heimat, aus der er drei Jahre zuvor von den Nazis verschleppt wurde, zurückkehren. Aber auch in seiner Geburtsstadt Rovenki in der Ukraine erwarteten ihn nach der Heimkehr schwere Zeiten. Wie viele seiner Leidgenossen wurde der heute 83-Jährige politisch verfolgt, Arbeit gab es auch keine.

"Wohnten in Baracken"

Etwas einfacher hatte es vielleicht Nina Makeieva, die in Dornbirn bei einem großen Textilunternehmen Zwangsarbeit leisten musste. "Wir wohnten in Baracken und hatten einen weiten Weg bis zur Arbeitsstelle", erinnert sie sich an ihren drei Jahre dauernden Aufenthalt in Dornbirn. Sie weiß noch, wie hart es war, als 14-jähriges Mädchen viele Stunden am Tag in der Fabrik zu arbeiten. Dass sie die Zeit fern der Heimat halbwegs gut überstanden hat, verdankt sie auch einigen wenigen Kontakten zu einheimischen Familien. Nina Makeieva gehörte zu einem Heer von 600 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Dornbirn, die zwischen 1942 und 1945 in erster Linie in Textilbetrieben, aber auch im Stadtspital, in Gärtnereien, kleinen Gewerbebetrieben, Gasthäusern oder auch bei Landwirten arbeiteten. Das Dornbirner Stadtarchiv ist daran, gemeinsam mit Dr. Margarethe Ruff und Dr. Werner Bundschuh dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte aufzuarbeiten. Ein Teil davon ist die Einladung einer Delegation aus Rovenki in der Ukraine. Neben den zwei Überlebenden war auch der stellvertretende Bürgermeister Wolodymyr Glush¬chenko ins Ländle gereist. Bürgermeister DI Wolfgang Rümmele übergab den Gästen einen Scheck über 10.000 Euro. Ein Teil des Betrages wird den noch überlebenden Zwangsarbeitern zur Verfügung gestellt, der Rest ist für ein soziales Projekt vorgesehen. Am Mittwoch Vormittag wurde die Delegation im Bregenzer Landhaus noch von Landesrätin Greti Schmid empfangen, die sich ebenfalls sehr beeindruckt von den Erzählungen der beiden Zeitzeugen zeigte.