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21.04.2006 / Leserbrief: Neue Entschuldigungskultur

 Vorarlberger Nachrichten


Den VN vom 19.4. ist zu entnehmen, dass sich "die Muslime" des Landes, in der Person von Herrn Attila Dincer, für den antikirchlichen Vandalenakt eines türkischstämmigen Vorarlberger Jugendlichen entschuldigt haben - sehr zur Genugtuung des Bischofs und der Medien. Das lässt auf eine neue Entschuldigungskultur hoffen: Wenn mir ein Halbwüchsiger, dessen Eltern ÖVP-Mitglieder sind, das Auto zerkratzt, wird mich künftig VP-Obmann Dr. Sausgruber namens seiner Partei und all ihrer Mitglieder um Verzeihung bitten. Fährt ein besoffener Dornbirner einen Rankweiler zu Tode, wird sich Bgm. DI Rümmele auf eine Bußwallfahrt zur Liebfrauenkirche machen. Interessanterweise hat noch niemand die Frage gestellt, wer sich kollektiv für jenen Mann (allerdings Nicht-Türke!) entschuldigen wird, der in einer Grazer Kapelle eine betende Studentin vergewaltigte - die Meldung stand in derselben Nummer der VN (8.4.), in der über den Vandalenakt in Hohenems berichtet wurde.

Übrigens: Auf die Idee, ein ganzes Volk oder eine ganze Religionsgemeinschaft müsste sich kollektiv für etwas entschuldigen, was einzelne Privatleute zu verantworten haben, sind letzthin islamische Fundamentalisten im dänischen Karikaturenstreit gekommen. Jetzt begibt man sich christlicherseits im "Hohenemser Kirchenstreit" auf dasselbe Niveau. Glückwunsch!

Dr. Kurt Greussing
Dornbirn

 

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