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Meinrad Pichler (1982): Eine unbeschreibliche Vergangenheit. Die Vorarlberger Geschichtsschreibung und der Nationalsozialismus

Mit diesem Beitrag wurde ein kräftiges Zeichen des Auftakts zu einem kritischen Umgang mit der bis dahin herrschenden Vorarlberger Geschichtsschreibung, zumal jener über die NS-Herrschaft in Vorarlberg, gesetzt. Der Text ist nun selbst ein Stück Geschichte der Geschichtsschreibung geworden. Denn er hat seinen wesentlichsten Zweck erfüllt: den Mut und das Interesse für eine vorbehaltlose Aufarbeitung von Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg unter der NS-Herrschaft zu wecken.

Meinrad Pichler

Eine unbeschreibliche Vergangenheit

Die Vorarlberger Geschichtsschreibung und der Nationalsozialismus

 

Erschienen in: Nachträge. Zur neueren Vorarlberger Landesgeschichte. Hrsg. von Meinrad Pichler, Bregenz: Fink's Verlag 1982 (1. Aufl.; 2. Aufl. 1983), S. 191-206

 

Die Tendenz, sich und die eigenen Verhältnisse zu verklären und zu belobigen, ist der Vorarlberger Geschichtsschreibung nicht neu. Dass bei besonders negativen Erscheinungen eigene Schuld gerne an fremde Verursacher abgeschoben wird, dafür ist die Darstellung der nationalsozialistischen Zeit ein äußerst prägnantes Beispiel. Sich der Verantwortlichkeit für diese dunkelste Epoche der neueren Geschichte auch auf lokaler Ebene zu entziehen, sind besondere historiographische Hintertüren geöffnet worden. Natürlich wird auch anderswo eine ehemalige NS-Mittäterschaft so gut wie möglich verschleiert; fast niemand möchte nachträglich politische Irrwege mitgegangen sein. Uns soll hier aber ausschließlich beschäftigen, wie dieser noch keineswegs abgeschlossene Prozess der Reinwaschung und Verdrängung in unserer Region sich schriftlich niedergeschlagen hat; ein Prozess, der nur zum Teil in voller Absicht geschieht, im übrigen aber viel eher einem psychosozialen Bedürfnis nach gemeinschaftlicher Verdrängung entspringt. Das beweist auch die Tatsache, dass die wenigsten der Autoren, von denen hier die Rede sein wird, selbst nationalsozialistische Parteigänger waren. Vielmehr folgten und folgen sie einfach einem Muster, das Geschichtsbewältigung in der Verdrängung statt in der Auseinandersetzung gewährleistet glaubt. Und auch dort, wo aus überzeugt antifaschistischen Positionen heraus mit dem NS-System geradezu abgerechnet wird (1), fehlt eine wirkliche Analyse jener Strukturen, die auch in unserem Land den Übergang zur brutalsten Variante des Faschismus ohne größere Schwierigkeiten ermöglicht und schließlich das jahrelange Funktionieren dieses Terrorsystems ermöglicht haben.

Was von den landesgeschichtlichen Überblicksdarstellungen nicht zu erwarten ist, geht auch den wenigen ausführlichen Detailuntersuchungen (2) ab: nämlich ein erklärter Faschismusbegriff. Dieses theoretische Defizit schmälert natürlich deren Bedeutung. Daneben ist die Quellenlage, auf der die meisten Arbeiten basieren, entweder überhaupt nicht erklärt (z.B. in den Überblicksdarstellungen), oder sie ist einseitig, was sich in der Darstellung unwillkürlich niederschlagen muss. Solche Einseitigkeit ist aber nicht hauptsächlich auf die Auswahlkriterien der Autoren zurückzuführen, sondern auf die Schwierigkeiten der Quellenerfassung überhaupt und auf die restriktive Archivpolitik in Vorarlberg. So kommt es immer wieder vor, dass jenen eine vorteilhafte Darstellung zuteil wird, die bereitwillig ihr eigenes "Material" zur Verfügung stellen (3). Die großen Archive in München, Koblenz, Berlin und Washington wurden für unseren Bereich bisher überhaupt nicht erschlossen, selbst das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) wurde nur spärlich herangezogen. Auch österreichweite Darstellungen (4) wurden bisher kaum rezipiert. Diese Lücke der landesgeschichtlichen Forschung erklärt auch, warum Vorarlberg in gesamtösterreichischen Arbeiten immer wieder sehr wenig Raum erhält: Es fehlt bisher für weite Bereiche an lokalen Vorleistungen.

All diese offensichtlichen Mängel können ihre Ursache nur darin haben, dass bestimmenden Teilen der Vorarlberger Öffentlichkeit an einer historischen Aufarbeitung der NS-Zeit wenig bis nichts gelegen ist. Dies gilt aber seltsamerweise nicht nur für ehemalige Mittäter, sondern auch für solche, die persönlich in keinem Nahverhältnis zur NSDAP gestanden sind. Ein regelrechtes Kartell des Schweigens hat sich offenbar auf ein Stillhalteabkommen geeinigt, und die wenigen Äußerungen bieten ein auffallendes Bild der Übereinkunft. Dieser Konsens bezieht sich nicht nur auf die Inhalte der Aussagen, sondern auch auf die Auswahl dessen, was überhaupt erwähnt bzw. verschwiegen wird. Einige Konstanten dieser historiographischen Perspektive lassen sich deutlich herausarbeiten.

 

Die "Fremdherrschaft"

 

Fast durchwegs wird Klage darüber geführt, dass Vorarlberg nach der Etablierung des NS-Regimes seine eigene Landesverwaltung verloren habe. Mit dieser Tatsache wird im wesentlichen der folgende Terror begründet. Der Anschluss Vorarlbergs an den Gau Tirol wird in etlichen Darstellungen als weit tragischer dargestellt (5) als jener Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Es entsteht geradezu der Eindruck, als wäre eine hausgemachte Naziherrschaft durchaus erträglich gewesen. Die endgültige Beseitigung politischer, kultureller und sozialer Errungenschaften - soweit sie den Ständestaat überlebt hatten - durch den Nationalsozialismus interessiert - wenn überhaupt - erst an fernerer Stelle. Ein durch diese Vorarlberg-Ideologie verengter Blickwinkel kann schwerlich die lokalen Ereignisse in einem allgemeineren Zusammenhang beurteilen: So ist etwa die Bekämpfung regionaler Eigenheiten keineswegs bloß mit der Boshaftigkeit des Innsbrucker Gauleiters zu erklären (6), sondern sie gehört zu den Wesensmerkmalen faschistischer Herrschaft. Die durchgängig geäußerte Ansicht, speziell in Vorarlberg seien quasi als Strafe für die "Selbständigkeitsbestrebungen" der hiesigen Nationalsozialisten fremde Machtverwalter eingesetzt worden (7), ist zumindest in dieser Form unhaltbar. Denn in allen Teilen des Reiches wurden in der mittleren und höheren Verwaltung Rochaden von Funktionsträgern vorgenommen, weil Fremde überall und zu allen Zeiten ohne Rücksicht auf gewachsene Traditionen, lokale Gegebenheiten, gesellschaftliche Konsequenzen oder verwandtschaftliche Bindungen walten konnten. In Österreich kam noch die Rivalität zwischen den alten Illegalen und den Reichsdeutschen hinzu, wie das etwa aus dem folgenden Stimmungsbericht zu entnehmen ist:

"Mit den illegalen Kämpfern hat man durchwegs Schwierigkeiten, da dieselben einerseits entweder ganz hochbesoldete Posten beanspruchen, die sie aufgrund ihrer Kenntnisse jedoch nie bekleiden können, während andere trotz ihrer Schulbildung (Doktorgrade) am liebsten Wachdienste, Ordonnanzdienste oder Postverteilungsdienste machen wollen. ... Einmal auf einen bestimmten Posten gesetzt, entwickelt sich bei vielen der Größenwahn" (8).

Das Argument der Durchsetzung des Verwaltungsapparates mit Fremden dürfte eher ein Versuch der Schuldabweisung als eine Erhellung der tatsächlichen Verhältnisse sein. Denn die Kreis- und Ortsleitungen der NSDAP waren beispielsweise fast ausschließlich in einheimischer Hand (9); dass von Seiten der Partei und ihrer wichtigsten Vertreter alle wesentlichen Gleichschaltungs- und Terrormaßnahmen initiiert und überwacht wurden, ist unbestritten. Das Unterfangen, mit den reichsdeutschen Beamten auch die Verantwortung für das unsagbare Leid, das zahlreichen Menschen dieses Landes zugefügt wurde, über die Leiblach abzuschieben, fördert weder moralische noch historische Einsichten. Ein solches Verfahren unterschlägt zugleich jene Vorarlberger, die ihrerseits in Gau- und Reichsstellen ihrem nationalsozialistischen Eifer eine steile Karriere zu verdanken hatten.

 

Die Nazis im "Kampf um Vorarlberg"

 

Zu den weiteren Mythen, die bis heute in etlichen Darstellungen auftauchen, gehört jener vom zwar erfolglosen, aber "heldenhaften Kampf" der Herren Kopf und Waibel um die Erhaltung der Vorarlberger Selbständigkeit (10). Auch bei Schönherr (11) ist davon wieder ausführlich die Rede, obwohl gerade diese Autorin Belege für die Zwiespältigkeit dieses Engagements liefert. Die Denkschrift an den Reichsinnenminister Frick, mit der Landeshauptmann Plankensteiner ein letztes Mal seine Landeshauptmannschaft zu retten versuchte, ist zwar in ihren historischen Passagen von der ideologischen Handschrift der Vorarlberger NS-Historiographen Helbock und Nägele bestimmt, in ihrer Appellstruktur verrät sie allerdings die tiefe persönliche Enttäuschung Plankensteiners über seine bevorstehende Entmachtung. Wenn Plankensteiner meint:

"Wir Nationalsozialisten in Vorarlberg haben während der langen schweren Kampfzeit um den Anschluß ans Reich gerungen. Wir haben aber auch um die Seele unseres Völkleins für das Reich in langen gefahrvollen und mühevollen Kampfjahren gerungen. Man kann uns nun daraus keinen Vorwurf machen, wenn wir es unsäglich bitter empfinden, dass man uns heute aus unserer, ich darf wohl sagen durch uns erkämpften Heimat hinauswirft und die Verwaltung des Landes Menschen übergibt, die keine Ahnung von der Härte unseres Kampfes haben, die aber auch den Weg zur Seele unseres Volkes kaum finden werden" (12),

so ist daraus deutlich abzulesen, wie sehr die persönliche Problematik eines soeben Aufgestiegenen, der seinen Sturz zu verhindern versucht, im Vordergrund steht. Dazu kommt, dass sich die Vorarlberger Nationalsozialisten einem Gau Schwaben durchaus hätten angliedern lassen (13), wenn dadurch der Zusammenschluss mit Tirol abzuwenden gewesen wäre.

Den einzelnen Bürgern konnte es allerdings unter den gegebenen politischen Umständen egal sein, welcher Verwaltungseinheit sie zugeschlagen wurden, barbarisch war diese allemal. Enttäuscht und beschämt waren vornehmlich jene, die sich ihrer Spitzenpositionen beraubt bzw. um ihre ideologischen Wunschvorstellungen von der "scharfen Arlberggrenze" geprellt sahen. Die Darstellung dieser Auseinandersetzung um die Eingliederung Vorarlbergs in den Machtbereich des Tiroler Gauleiters Hofer verweist noch auf weitere Probleme der Vorarlberger Geschichtsschreibung: Alle Darstellungen fußen bis heute auf den Ausführungen der damals unmittelbar Beteiligten (14), die ihre Informationen nach 1945 sehr gezielt an den Mann bzw. an die Frau gebracht, damit ihren "Kampf um Vorarlberg" systematisch hochstilisiert und als Eintrittskarte in die Vorarlberger Nachkriegsgesellschaft benutzt haben.

Aktuellstes Zeugnis für diese Art der Geschichtsschreibung sind Passagen bei Margit Schönherr (15), die etwa den Ausführungen Hans Nägeles stellenweise kritiklos auf den Leim gegangen ist. Alle Darstellungen zusammengenommen, ergibt sich das bedauerliche Resümee, dass der bisherigen Vorarlberger Geschichtsschreibung die Entmachtung der Landesverwaltung durch den NS-Staat problematischer erscheint als die Entrechtung der Menschen überhaupt.

 

Die Schwierigkeiten mit dem Widerstand

 

Eine weitere Konstante aller Darstellungen bilden die Ausführungen über Widerstand und Verfolgung. Zwar wird überall auf die Opfer der NS-Blutjustiz hingewiesen, Motivation, Tätigkeit und soziale Herkunft der Opfer jedoch werden generell verschwiegen (16): Die Inhaftierten und Hingerichteten werden, ohne die Art und die jeweilige politische Ausrichtung ihres Widerstandes näher zu beschreiben, als Vorarlberger mit "heimattreuer oder christlicher Gesinnung" (17) (schließt das einander aus?), "Hitlergegner" (18), "Personen" (19), "Parteigegner" (20) oder schlicht als "Gegner" (21) bezeichnet. Solche Pauschalierungen verstellen natürlich den Blick darauf, dass diese Mutigen durchwegs Menschen fester Überzeugung waren, und zwar nicht nur Christen - wie oft hervorgehoben wird -, sondern mindestens ebenso sehr Parteigänger der linken Arbeiterbewegung. Deren Anteil an Widerstand und Verfolgung wird in keiner einzigen Arbeit auch nur angedeutet. So verwendet etwa Schwarz seine auf zwei Zeilen beschränkten Ausführungen über die Opfer der NS-Herrschaft nur als Vorspann dazu, sein Mitgefühl für den politischen Irrtum der Großdeutschen zu platzieren:

"Viele Vorarlberger wurden in Gefängnissen oder Konzentrationslagern festgehalten. Dreizehn starben unter dem Fallbeil. Ein schwerer Druck lastete über der Bevölkerung während der ganzen sieben Jahre, der erst von ihr wich, als die braunen Uniformen vom Straßenbild verschwunden waren. Eine solche Herrschaft hatte nicht sehr viel mit dem alten großdeutschen Ideal gemeinsam, und so ist es auch zu verstehen, dass ernst denkende Männer dieser Richtung bald nach Beginn der Herrschaft eine merkliche Ernüchterung erfaßte" (22).

Es existiert nicht ein einziger Aufsatz, in dem eines NS-Opfers aus der Arbeiterschaft gedacht wurde. Erinnerungstafeln gibt es lediglich für Dr. Lampert, Dr. Grimm und Karoline Redler, wobei gerade die Kupfertafel in der Bregenzer Rathausstraße ein trauriges Dokument unbewältigter Vergangenheit darstellt. Die Inschrift lautet: "Karoline Redler, geb. Schwärzler, am 8.11.1944 in Wien gestorben als Opfer der Gewalt". In geradezu infamer Weise werden hier die Nazimörder verschwiegen - an deren Stelle wird eine anonyme, aus Wien kommende Gewalt gesetzt. Schönherr geht auf diesem Wege noch ein Stück weiter, wenn sie ungeniert feststellt: "Die Verhaftung der Vorarlberger Juden durch die GESTAPO erfolgte auf Weisung Wiens und nicht von Bregenz aus" (23). Damit befinden wir uns mitten in der Vorarlberger Gegenwart: Um "Wien" als allgegenwärtiges Feindbild zu fixieren, werden ihm auch noch die Untaten des NS-Regimes unterschoben.

Dies ist aber keineswegs der einzige Zynismus, den man sich hierzulande mit den Opfern des Nationalsozialismus leistet. Zwei Beispiele seien hier erwähnt: Den Vorwurf, dass mit der Auflassung des Grabes von Josef A. King (ermordet 1945 in Mauthausen) die letzte Erinnerung an diesen aufrechten Hörbranzer Antifaschisten vernichtet worden sei (24), konterte der Hörbranzer Bürgermeister in einem Brief an den Schriftleiter der Zeitschrift "Montfort" folgendermaßen: "Der Grabstein, auf dem auch Josef King angeführt ist, steht entgegen der Behauptung von Pichler heute noch auf dem Familiengrab. Allerdings wurden die früheren Namen, so auch von Josef King, von den neuen Grabinhabern mit einer Marmorplatte überdeckt" (25).

Auch das zweite Beispiel bedarf keines Kommentars: Der Bregenzer Ernst Volkmann hatte sich aus Gewissensgründen geweigert, Waffendienst in der deutschen Wehrmacht zu leisten. Diese Überzeugung gab er auch nach Drohungen, Psychiatrierung und Gestapohaft nicht auf - er wurde schließlich vom Volksgerichtshof in Berlin wegen Wehrdienstverweigerung zum Tode verurteilt und exekutiert (26). Der Name dieses außergewöhnlichen Mannes, der lieber sein Leben hingab, als sich in der Hitlerarmee missbrauchen zu lassen, scheint - man glaubt es kaum - auf dem Bregenzer Kriegerdenkmal unter den gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf. Was die Nazischergen nicht erreicht hatten, schafften die Traditionsverwalter nach 1945: aus Ernst Volkmann einen deutschen Soldaten zu machen.

Aber kehren wir zurück zu den Historikern. Ihre Schwierigkeiten mit dem Widerstand sind keineswegs auf die bisher erwähnten beschränkt. Kein einziger Geschichtsschreiber hat sich bislang um die wirkliche Zahl der in Konzentrationslagern und Gefängnissen Ermordeten und Geschundenen gekümmert. Schelling gab die Zahl der Blutopfer mit 13 an (27), Schwarz hat diese Zahl - wie vieles andere - unkontrolliert übernommen (28). Die späteren Autoren sprechen, wenn überhaupt, meist nur noch von "einigen Opfern". In Wirklichkeit stimmt Schellings Zahl mit der Realität genauso wenig überein, wie jener Hinweis, dass "vierzig Vorarlberger, darunter drei Frauen" (29), in Konzentrationslager verschleppt worden seien. Beide Angaben sind viel zu niedrig angesetzt und verschleiern damit das wirkliche Ausmaß sowohl des Widerstandes als auch des NS-Terrors. Die über 200 politischen Verurteilungen am damaligen Landgericht Feldkirch (30) werden überhaupt an keiner Stelle erwähnt. Und wenn Schelling seiner Zahl von 40 Vorarlberger KZ-Häftlingen die Bemerkung hinzufügt, dass "in dieser Zahl nur die einwandfrei politischen Häftlingen inbegriffen" (31) seien, wird darin eine Tendenz deutlich, die später - weniger in der Geschichtsschreibung als in der breiten Überlieferung der Bevölkerung - systematisch verstärkt wurde: nämlich einen Teil der Opfer als Querulanten und Kriminelle zu diffamieren, um ihr Schicksal auf diese Weise um so einfacher verdrängen zu können.

Die Deportation und die Vernichtung der jüdischen Mitbürger werden zwar allenthalben erwähnt, erforscht ist dieses Kapitel für unseren Bereich aber nicht einmal in Ansätzen; der reihenweise Abtransport von Fremdarbeitern in verschiedene Konzentrations- und Arbeitslager wird überhaupt in allen Arbeiten ausgeklammert. Liegt der Grund etwa darin, dass für ersteres übergeordnete Stellen, für letzteres aber die einheimischen Arbeitgeber verantwortlich waren? Für diese Annahme spricht auch die Tatsache, dass das bodenständige Denunziantentum, das in Vorarlberg nicht weniger blühte als anderswo, völlig unterschlagen wird.

 

Das epische Finale

 

Im Gegensatz zu diesen traurigen Kapiteln der Landesgeschichte ist bisher ausschließlich die Leistung der Landeseliten bei der schließlichen Überwindung des schon zerfallenden NS-Regimes breit geschildert und gewürdigt worden (32). Dabei erhalten aber nicht nur jene, die tatsächlich unter Einsatz ihres Lebens Wahnsinnstaten einer fanatischen Nachhut des gestürzten Hitlerfaschismus verhinderten oder deren Opfer wurden, den ihnen zustehenden historischen Platz; etliche, die sich mit Blick auf eine neue Karriere gerade rechtzeitig bei einer mehr oder weniger gefährdeten Brücke eingefunden oder als erste den Sprung auf einen französischen Militärjeep geschafft hatten, werden weit über ihr Verdienst hinaus gefeiert. Bei den Widerständlern des Jahres 1945 sparen die Autoren - ganz im Gegensatz zum Widerstand während der Naziherrschaft - auch nicht mehr mit Namen, selbst die geringste Leistung scheint nun erwähnenswert. Diese geradezu episch breiten Darstellungen der letzten April- und ersten Maitage des Jahres 1945 machen, wenn man die Kürze bei der Beschreibung der vorangegangenen sieben Jahre bedenkt, doch stutzig. Plötzlich bessert sich auch schlagartig die Quellenlage: Das Landesarchiv dispensiert von der Archivsperre (33), die Auskunftspersonen berichten nun aus einer fast lückenlosen Erinnerung. "Dass nur die passenden Bruchstücke der Vergangenheit zur Erinnerung zugelassen werden", ist ein bekannter Mechanismus zur "Abwehr der mit der Nazivergangenheit verbundenen Schuld- und Schamgefühle" (34).

Auch die ideologische Basis, auf der das Gewesene vergessen und der Neuaufbau begründet werden sollte, war bald gefunden: "Über diese Zeit der Finsternis werden noch viele Bücher geschrieben werden, dicke Bücher. Besser wäre es, man könnte diese 7 Jahre vergessen und mit ihnen das viele Leid. ... Sollte jetzt nicht wieder die Zeit kommen können, wo der Vorarlberger wieder zuerst Vorarlberger ist und dann erst Parteifanatiker nach der oder jener Richtung?" (35). Schellings Rat fand Gehör. Über die "Zeit der Finsternis" wurde kein Buch geschrieben. Nur der Anfang und das Ende wurden in recht apologetischer Weise in Buchform dargestellt. Die Finsternis selbst harrt noch immer einer Ausleuchtung.

Man hielt sich bisher an den Rat, "die 7 Jahre" möglichst schnell zu vergessen. Der Appell, vor allem wieder Vorarlberger zu sein und erst in zweiter Linie ein parteipolitisches Programm zu vertreten, wurde nicht nur zum oft deklarierten ideologischen Eckpfeiler der offiziellen Landespolitik, sondern er bildete zugleich die Brücke, auf der die durch die NS-Zeit entzweiten schwarzen und braunen Eliten des Landes wieder zueinander fanden. Deshalb lag den ehemaligen exponierten Nationalsozialisten auch so sehr daran, ihren Kampf um die Erhaltung der Landesverwaltung ausführlichst zu dokumentieren. Was sie nach dem Krieg immer von sich selbst behauptet hatten, wurde ihnen schließlich 1981 von einer unbeteiligten Autorin bestätigt: "Die gebürtigen Vorarlberger Nationalsozialisten waren zuerst Vorarlberger und erst in zweiter Linie Nationalsozialisten" (36). Aufgrund der historischen Fakten ist dieser Einschätzung allerdings nur dann zuzustimmen, falls mit der Reihung die zeitliche Abfolge vom Kindes- zum Erwachsenenalter gemeint sein sollte...

Die Nationalsozialisten nahmen diese Vorarlberg-Plattform jedenfalls gerne an. Hans Nägele, ehedem Chefredakteur des nationalsozialistischen "Vorarlberger Tagblattes", bedankte sich durch eindringlichste Vorarlberg-Bekenntnisse für seine Wiederaufnahme in die Zunft der Geschichtsschreiber:

"Heute gilt es, vom vorarlbergerischen Wesen zu retten, was noch zu retten ist und die geistige Eigenart des Landes zu erhalten, damit der Bruch mit der Tradition nicht vollständig werde, damit das österreichische Alemannenland bleibe, was es seit jeher war, ein Land besonderer Art" (37).

Bei diesem Traditionsbruch handelt es sich aber nicht "um die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Zweiten Weltkrieges, sondern vor allem um seine Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bevölkerung und das geistige Antlitz des Landes". Deshalb - und nicht etwa der Barbarei wegen, die Vorarlberg 8000 Tote kostete - sind für Nägele "die Jahre von 1938 bis 1945 vielleicht die folgenschwerste Zeit, die Vorarlberg im letzten halben Jahrtausend erlebt hat" (38). Der Hofschreiber der Vorarlberger Textilindustrie, in dessen faschistischem Denken "Überfremdung" immer ein zentraler Begriff geblieben war, versuchte hier, ein negativ erscheinendes Phänomen als Kriegsfolge auszugeben, um von den wirklichen Verursachern, nämlich seinen Textilherren, abzulenken.

Gerade diese waren es, die vom elitären Agreement nach 1945 am meisten profitierten, nachdem viele von ihnen den illegalen Nationalsozialismus nachdrücklich unterstützt und von der anschließenden Kriegsproduktion sowie von Arisierungen enorm profitiert hatten. In allen untersuchten Arbeiten wird die Rolle der Vorarlberger Textilindustrie als mächtigste einheimische Stütze des Nationalsozialismus strengstens tabuisiert (39). Nicht eine Andeutung findet sich dazu. Aber nicht nur die politische Tätigkeit zahlreicher Industrieller wird verschwiegen, sondern auch die Tatsache, dass auf Kosten vieler kleiner Textilbetriebe, die bei der Verteilung von Rohmaterialien benachteiligt wurden, einige Großunternehmen ihre Position wesentlich festigten. So berichtete etwa die NSDAP-Ortsgruppenleitung von Lauterach 1939 an die Bregenzer Kreisleitung, dass in "wirtschaftlicher Hinsicht einige Unzufriedenheit festzustellen" sei, "vor allem wegen der ungenügenden Berücksichtigung der Kleinbetriebe bei der Rohstoff Verteilung". So sei "zum Beispiel festzustellen, dass die Klöppeleien viel zu wenig Baumwolle und fast keine oder gar keine Zellwolle bekommen, während die großen Textilbetriebe in Dornbirn gut versorgt sein sollen und sogar Lohnarbeit ausgeben wollen" (40).

Niedrige Löhne, nicht nur für die zahlreichen Fremdarbeiter, und teilweise unmenschliche Arbeitsbedingungen gehörten zu den weiteren faschistischen Sanierungsmaßnahmen auch für die heimische Industrie (41). Die Einführung des Führerprinzips in den Betrieben, die Abschaffung unabhängiger Arbeitnehmervertretungen und die Zuteilungskompetenzen der Arbeitsämter (42) zählen zu den weiteren Maßnahmen zur Unterdrückung der Arbeiterschaft. Angesichts dieser Tatsachen macht die Feststellung "Die Arbeitsbedingungen wurden maßgeblich verbessert" (43) einigermaßen fassungslos. Hier zeigt sich nicht nur das ungebrochene Nachwirken der NS-Propaganda, die den nationalsozialistischen "Sozialstaat" als "die Krönung des tausendjährigen Ringens des deutschen Volkes um seinen Lebensstil" (44) verkaufte, sondern zugleich die Notwendigkeit, die tatsächlichen Lebensverhältnisse in Vorarlberg während der NS-Herrschaft endlich aufzuzeigen.

 

Die Kirche während der NS-Zeit

 

Im Rahmen dieser bruchstückhaften Auseinandersetzung mit der Nazi-Ära in Vorarlberg werden schließlich die Behinderungen von Religion und Kirche am eingehendsten dargestellt, und zwar nicht nur in den hier untersuchten Überblickswerken, sondern auch in einer Reihe von Einzeluntersuchungen (45). Der katholische Widerstand ist dementsprechend auch relativ umfassend aufgearbeitet (46). Grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Kirche und NS-Staat kommen dabei, sofern sie überhaupt angestellt werden, zu kurz. In den zahlreichen Dokumentationen werden in erster Linie die kleinlichen und gehässigen Schikanen der NS-Bürokratie zur Behinderung der freien Religionsausübung beschrieben. Dass die Kirche dem Nationalsozialismus jedoch kaum einen politischen Widerstand entgegensetzte, mit ihm anfänglich sogar ein gemeinsames Stück antibolschewistischen Weges ging, geht dabei unter (47). "Für den Klerus stand nicht die Legitimität des Systems zur Diskussion, sondern einzig die Erhaltung des kirchlichen Freiheitsraumes" (48).

Und wo auf katholischer Seite die Erinnerung an die Schrecken der NS-Zeit wach geblieben ist, sind die Lehren, die für unsere Zeit daraus gezogen werden, bisweilen recht eigenwillig. Wenn etwa Elfriede Blaickner, langjährige Landtagsabgeordnete und hohe ÖVP-Funktionärin, auf die Frage nach den möglichen Anzeichen einer neuerlichen Faschisierung meinte, dass "die Erziehungsziele in der Schule etwa, die auf eine kritisierende und vertrauensarme Jugend hinarbeiten, und die unumschränkte Macht der Gewerkschaft" (49) die derzeit größten Gefahren darstellen, so ist das in der Tat erstaunlich. Wer sonst, wenn nicht gerade eine kritikfähige Jugend und eine wohlorganisierte Arbeitnehmerschaft, sollte - nach allen bitteren historischen Erfahrungen - einer faschistischen Entwicklung Einhalt gebieten können? Politische Fehleinschätzungen dieser Art verweisen nicht nur auf einen Mangel an historisch-politischen Grundkenntnissen, sondern sie zeigen auch nachhaltig die tagespolitische und ideologische Inanspruchnahme einer unverarbeiteten Geschichte.

 

Die Probe aufs Exempel

 

Schließlich soll noch ein besonderes Beispiel Vorarlberger Geschichtsschreibung erwähnt werden, das eindrucksvoll belegt, wie die Geschichte der nationalsozialistischen Zeit gezielt umgeschrieben wurde, indem man einfach strich, was man für die Zukunft getilgt sehen wollte. Die Rede ist hier von der Bearbeitung des Manuskripts von Ludwig Welti zur Ilgschen Landeskunde (50). Die Eingriffe des Herausgebers Karl Ilg geschahen hier nicht aus Gründen des Umfangs, sondern aus klaren inhaltlichen Absichten. Bei Ilgs Streichungen lassen sich drei deutliche Tendenzen erkennen:

a) Verharmlosung des Vorarlberger Anteils an der hiesigen NS-Herrschaft. Nur zwei gestrichene Passagen mögen dies anschaulich machen:

"Der vorn Einmarsch der deutschen Reichsarmee begleitete 'Umbruch' vollzog sich auch in Vorarlberg, besonders in den großen Orten, in einer noch nie dagewesen Hysterie einer von Rundfunk, Presse und Aufmärschen aufgeputschten, krankhaft epidemischen Massenpsychose. Es hatte in den ersten Tagen nach dem Anschluß den Anschein, als ob das Paradies auf Erden nun endgültig ausgebrochen sei, als ob das deutsche Volk unter Führung des großen Magiers Adolf Hitler und seiner Trabanten in die herrliche Zukunft eines tausendjährigen Reiches geführt würde" (S. 247).

Und:

"Auch bei uns fanden zunächst ebenfalls viele den 'Rank' und ließen sich durch die Lautstärke der Propaganda und durch den äußeren Schein blenden und betäuben" (S.251).

Auch Weltis Kommentar angesichts der nahezu 3500 Kirchenaustritte, nämlich dass er die Vorarlberger Bevölkerung in dieser Hinsicht "vorher für immuner gehalten" (S.252) hätte, wurde ein Opfer des Rotstiftes - verständlich, wenn man bedenkt, dass durch diese und die vorher zitierten Aussagen die Legende von der ungewollten Fremdherrschaft erschüttert hätte werden können. Auch die Tilgung der Passage über die fanatische Tätigkeit des NS-Landesschulinspektors Baldauf, eines Nationalsozialisten ureigenster Prägung, ist unter dem Gesichtspunkt der prinzipiellen Abweisung landeseigener Mittäterschaft zu erklären.

b) Der Versuch, die Landesgeschichtsschreibung als kontinuierlichen Prozess erscheinen zu lassen, der höchstens von außen gestört, niemals aber durch politische Einflüsse wirklich verändert werden könne. So musste der Zensor zwangsläufig wieder in Aktion treten, wenn Welti meint, auf Grund der vielfältigen Verstrickungen könne die offizielle Landesgeschichtsschreibung über diese Epoche nur schwerlich Objektivität beanspruchen, "weil fast nur einseitig nationalsozialistisch gefärbte Presseberichte des einzig konzessionierten Vorarlberger Tagblattes und die Befehle der Parteigewaltigen die Situation oberflächlich grell beleuchten, die völlig in den Hinter- und Untergrund abgedrängte Opposition dagegen ihre Stimme nur vereinzelt - meist mit katastrophalem Ausgang - und selbst nach dem Zusammenbruch des Reiches leider nur sehr spärlich und sporadisch zu erheben wagte, weil die beiden großen Parteien aus parteitaktischen Gründen (Wählerfang) an einer Pazifizierung der 'Entnazifizierten' stark interessiert blieben" (S. 250f.).

Mit dieser Streichung wurde zugleich die Problematik der Entnazifizierung aus der Welt geschafft, wie das ja auch in allen anderen Darstellungen systematisch geschieht.

c) Eine Tendenz zur Schonung des NS-Regimes überhaupt. Diese zeigt sich besonders in der Eliminierung der allgemeinen Ausführungen über die Brutalität und die Intoleranz des NS-Staates sowie in kleineren einzelnen Streichungen, durch die dem ursprünglichen Text gewisse Spitzen genommen werden sollten - so etwa, wenn Welti die "Härten" des neuen Systems beschreibt: "Zu denen gehörten die brutale Geistesknechtung, der Kampf gegen Religion und Kirche, 13 Opfer der Blutjustiz und schließlich der am 1. Sept. 1939 frivol vom Zaune gebrochene Krieg..." (S.251). In diesem Satz wurden von Ilg "die brutale Geistesknechtung" und das Wort "frivol" gestrichen (S.334). Könnte man bei "frivol" vielleicht noch stilistische Bedenken für die Korrektur geltend machen, so können für die Unterschlagung der "brutalen Geistesknechtung" doch wohl nur inhaltliche Kriterien wirksam gewesen sein: die Entlastung des Regimes einerseits und Heraushebung der Kirche als einziges Opfer andererseits. Auch mag dabei die subjektive Erfahrung Ilgs eine Rolle gespielt haben, dass eben sein Geist nicht geknechtet wurde, was allerdings ein Licht auf die Konformität seines Denkens mit den Kategorien jenes Staates werfen würde.

Auch die SS erfährt durch Ilg eine gnädige Behandlung, indem alle drei Erwähnungen derselben einfach gestrichen wurden (bei Welti S. 252, 255, 257).

Derartig gezielte Eingriffe in einen Text, der, wenn es nur um Probleme des Umfanges gegangen wäre, genug Kürzungsmöglichkeiten geboten hätte, ohne seine Substanz anzugreifen, zeigen in exemplarischer Weise, wie wählerisch mit Fakten umgegangen wird. Was sich hier am Einzelbeispiel aufzeigen lässt, nämlich die Verharmlosung eines Terrorregimes bis zur Unterschlagung von Fakten, ist tendenziell auch in anderen Arbeiten zu erkennen. Weltis - ebenfalls gestrichene - Befürchtung, dass die NS-Zeit "noch lange kaum eine objektive Darstellung" finden werde, bewahrheitete sich an der "Bearbeitung" seines Textes recht nachhaltig.

 

Ausblick

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass eine wirkliche landesgeschichtliche Aufarbeitung der NS-Zeit - abgesehen von der Situation der Kirche und den letzten Kriegstagen - bisher noch nicht stattgefunden hat. Einige Mechanismen, die eine für unser demokratisches Selbstverständnis notwendige Beschäftigung mit diesem Geschichtskapitel bisher verhindert haben, sind andeutungsweise beschrieben worden. Auch die wichtigsten Muster, mit denen eine historiographische Bewältigung umgangen wird, sollten sichtbar geworden sein.

Die Konsequenz aus der Analyse dieses derzeitigen Zustandes kann nur sein, dass sich gerade jüngere Historiker, unbelastet von persönlichen Verstrickungen, an die Arbeit machen, dieses dunkelste Kapitel unserer Landesgeschichte zumindest historiographisch zu erhellen. Die Zeit drängt, denn auf die Aussagen der Augenzeugen sollte nicht verzichtet werden. Auch das theoretische Gerüst der allgemeinen Faschismusforschung steht inzwischen. Die lokale Geschichtsforschung hat es nur noch zu konkretisieren.

Eine solche historische Aufklärungsarbeit sollte aber weder nachträgliche Rechtfertigung noch selbstzufriedene Verurteilung beabsichtigen. Sie hat einfach zu zeigen, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen das NS-Regime auf lokaler Ebene funktionierte und von welchen Interessen es getragen war. Zudem sollte endlich jenen Gerechtigkeit widerfahren, die unter Einsatz ihres Lebens dem systematischen Unrecht Widerstand entgegengesetzt haben.

 

Anmerkungen

 

1)       Besonders Ludwig Welti: Vorarlberg unter der Diktatur des nationalsozialistischen Dritten Reiches im gleichgeschalteten Gau Tirol-Vorarlberg (1938-1945). In: Karl Ilg: Landes- und Volkskunde. Geschichte, Wirtschaft und Kunst Vorarlbergs. Bd. 2, München-Innsbruck 1968, S. 333-337.

2)       Gerhard Wanner: Kirche und Nationalsozialismus in Vorarlberg. Dornbirn 1972; Margit Schönherr: Vorarlberg 1938. Die Eingliederung Vorarlbergs in das Deutsche Reich 1938/39. Dornbirn 1981; Dietlinde Löffler-Bolka: Vorarlberg 1945. Das Kriegsende und der Wiederaufbau demokratischer Verhältnisse in Vorarlberg im Jahre 1945. Bregenz 1975.

3)       Z. B. Nägele, Plankensteiner und Kopf bei Schönherr (Anm. 2) oder einige 45er Widerstandskämpfer bei Löffler (Anm. 2).

4)       Etwa F. L. Carsten: Faschismus in Österreich. Von Schönerer zu Hitler. München 1976, oder Karl R. Stadler: Österreich 1938-1945 im Spiegel der NS-Akten. Wien 1966.

5)       Vgl. Artur Schwarz: Heimatkunde von Vorarlberg. Bregenz 1948, S. 369; Gustav Bachmann: Vorarlberg 1918-1968. Entwicklungslinien im Halbjahrhundert der Selbständigkeit. In: 50 Jahre selbständiges Land Vorarlberg 1918-1968. S. 49-144, hier S. 58 f.; Meinrad Tiefenthaler: Schicksale und Wege im Laufe der Geschichte. In: Das Land Vorarlberg. Dornbirn 1952, S. 9-15, hier S. 15; Benedikt Bilgeri: Politische Geschichte Vorarlbergs. In: Vorarlberger Jungbürgerbuch. Hg. Vorarlberger Landesregierung. Bregenz 1971, S. 7-50, hier S. 49: Besonders lapidar werden die Ereignisse des Jahres 1938 im heimatkundlichen Lehrerhandbuch kommentiert: "Der Vorarlberger Landtag, die Landesregierung, die eigene Landesverwaltung werden aufgelöst" - sonst nichts; siehe: Land Vorarlberg. Ein heimatkundliches Handbuch. Verfasst von der Lehrer-Arbeitsgemeinschaft des Landesschulreferates. Bregenz 1969, S. 89.

6)       Vgl. Schwarz (Anm. 5), S. 369.

7)       Vgl. Karl Heinz Burmeister: Geschichte Vorarlbergs. Ein Überblick. Wien 1980, S. 190; Benedikt Bilgeri: Bregenz. Geschichte der Stadt. Wien-München 1980, S. 590; Georg Schelling: Die Nacht ist um! In: Vorarlberger Volkskalender 1947, S. 121-129, hier S. 121; Schwarz (Anm. 5), S. 369; Bachmann (Anm. 5), S. 61; Welti (Anm. 1), S. 333.

8)       SD-Bericht von Wien nach Berlin vom August 1938. Zitiert nach: Gerhard Botz: Wien vom "Anschluß" zum Krieg. Wien 1978, S. 227.

9)       Die leitenden Funktionäre in der Bregenzer Kreisleitung hießen beispielsweise Dietrich, Luger, Mathis, v. Schwerzenbach, Hofmann, Schneider, Kessler, Feurstein und Loacker.

10)     Vgl. Welti (Anm. 1), S. 333; Schelling (Anm. 7), S. 121.

11)       Schönherr (Anm. 2), S. 116.

12)       Zitiert nach Schönherr (Anm. 2), S. 96.

13)       Siehe Burmeister (Anm. 7), S. 189; Löffler (Anm. 2), S. 18; Schönherr (Anm.2), S. 94.

14)       Besonders Löffler und Schönherr stützten sich auf folgende Arbeiten: P. Waibel: Der Kampf um Vorarlbergs Selbständigkeit und Unabhängigkeit 1938/40 (Manuskript); R. Kopf: Erinnerung an die Zeit 1938-45 im Lande Vorarlberg (Manuskript); H. Nägele: Vorarlberg will selbständig sein (Manuskript); ders. : Der Kampf des Landes um seine Unabhängigkeit von Tirol (MS); ders.: Toni Plankensteiner (MS); ders.: Vorarlbergs Stellung im 3. Reich (MS). Waibel war während der NS-Zeit Bürgermeister von Dornbirn, Kopf fungierte, solange es eine eigene Vorarlberger Landeshauptmannschaft gab, als Landesstatthalter, und Nägele war Schriftleiter des nationalsozialistischen "Vorarlberger Tagblattes".

15)       Beispielsweise S. 51 und 82 (Anm. 2).

16)       Vgl. Bachmann (Anm. 5), S. 61; Bilgeri (Anm. 7), S. 590; Burmeister (Anm. 7), S. 192; Schelling (Anm. 7), S. 123f.; Schönherr (Anm. 2), S. 60; Schwarz (Anm. 5), S. 370.

17)       Bachmann (Anm. 5), S. 61.

18)       Schönherr (Anm. 2), S. 60.

19)       Ludwig Welti: Ungekürzte Fassung des von Karl Ilg zensurierten Landesgeschichtskapitels "Vorarlberg unter der Diktatur des nationalsozialistischen Dritten Reiches im gleichgeschalteten Gau Tirol-Vorarlberg 1938-1945". Manuskript im VLA, S. 247.

20)       Bilgeri (Anm. 7), S. 590.

21)       Burmeister (Anm. 7), S. 192.

22)       Schwarz (Anm. 5), S. 370.

23)       Schönherr (Anm. 2), S. 119.

24)       Meinrad Pichler: Vergessen? Das Opfer nationalsozialistischer Gewalt: Josef A. King. In: Montfort 1/1981, S. 72.

25)       Brief von Bürgermeister Sigg an Dr. Benzer vom 7.11.1980.

26)       DÖW Akt Nr. 5320

27)       Schelling (Anm. 7), S. 123.

28)       Schwarz (Anm. 5), S. 370.

29)       Schelling (Anm. 7), S. 124.

30)       Vgl. DÖW Akt Nr. 8346.

31)       Schelling (Anm. 7), S. 124.

32)       Georg Schelling: Festung Vorarlberg. Ein Bericht über das Kriegsgeschehen in unserem Lande. Bregenz 1947, 2. Auflage 1980; Löffler (Anm. 2); Paul Pirker: Zitadelle Bregenz. Bregenz 1946; Ulrich Ilg: Wir waren dabei. In: Vorarlberg - unser Land. Jungbürgerbuch. Hg. Vorarlberger Landesregierung. Bregenz 1978, S. 170-179.

33)       Etwa im Falle Löffler (Anm. 2).

34)       Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens. München 1970, S. 26.

35)       Schelling (Anm. 7), S. 121.

36)       Schönherr (Anm. 2), S. 114.

37)       Hans Nägele: Buch und Presse in Vorarlberg. Dornbirn 1970, S. 199.

38)       Ebd., S. 198.

39)       Erstmals hat Harald Walser auf die Verstrickungen zwischen Nationalsozialismus und großen Teilen der Vorarlberger Textilindustrie hingewiesen. Ein Nachdruck seines Aufsatzes findet sich in diesem Band.

40)       Mitteilung der NSDAP-Ortsgruppe Lauterach an den Kreispropagandaleiter in Bregenz vom 26.7.1939. Stadtarchiv Bregenz.

41)       In einer Bregenzer Textilfabrik mussten die Arbeiterinnen beispielsweise ganztägig mit Gasmasken arbeiten, da auf Baumwollmaschinen Zellwolle verarbeitet wurde und es dadurch zu einer unerträglichen Staubentwicklung kam; vgl. Interview d. Verf. mit der Arbeiterin Marcellina Schmid aus Bregenz vom 6.3.1981.
Zur Disziplinierung der Arbeiterschaft siehe den Erlass zur Einrichtung des Arbeitserziehungslagers Reichenau, DÖW Akt Nr. 13237.

42)       Vgl. Stadler (Anm. 4), S. 165 f.

43)       Burmeister (Anm.7), S. 192.

44)       Theodor Bühler: Deutsche Sozialwissenschaft. Ein Überblick über die sozialen Aufgaben der Volkswirtschaft. Stuttgart 1940, S. 52. Der aus Feldkirch stammende Dr. Bühler war Hauptabteilungsleiter im Zentralbüro der Deutschen Arbeitsfront (DAF) sowie wissenschaftlicher Generalreferent im Arbeitswissenschaftlichen Institut der DAF in Berlin und damit der Hauptsozialtheoretiker des Dritten Reiches.

45)       Wanner (Anm. 2); Johannes Schöch: Chronik des Generalvikariats Feldkirch und der politischen Bedrängnisse in Vorarlberg 1938-45. O.O. und o.J.; Arnulf Benzer: Das Generalvikariat Feldkirch und die Generalvikare für Vorarlberg. In: Montfort 1/1955, S. 3-19. E. Fasching: 2x7 Jahre. Eine kleine Kirchengeschichte Vorarlbergs der Kriegs- und Nachkriegszeit nach Tagebucherinnerungen. 1952 (= Quelle, Sonderheft Vorarlberg); Paul Sinz: Geknickt, doch nicht gebrochen. In: 100 Jahre Zisterzienser in Mehrerau (= Mehrerauer Grüße 1/1954), bes. S. 200-212.

46)       P. Lenz: Christus in Dachau. Wien 1956; Benedicta M. Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen. München 1966; Gaudentius Walser: Carl Lampert. Ein Leben für Christus und die Kirche 1894-1944. Dornbirn 1964; Hedwig Reckefuß-Kleiner: Selig, die Verfolgung leiden. In: Vorarlberger Volkskalender 1976, S. 77-85; A. E.: Aus Vorarlberg stammender Märtyrerpriester (Pater Franz Reinisch). In: VN, 4.12.1980; O. Schuchter: Priester der Heimat. In: Quelle, Juni 1955; Helmut Tschol: Josef Anton King. In: Paulinum unterwegs, Heft 24/1977, S. 3-6; Pichler (Anm. 24).

47)       Einzig Schönherr (Anm. 2), S. 140 ff., bezieht teilweise eine kritischere Position.

48)       Kurt Greussing: Der unfreiwillige Widerstand. Zu Wanners Kirche und Nationalsozialismus in Vorarlberg. In: Neue Vorarlberger Tageszeitung, 11.11.1972.

49)       Neue Vorarlberger Tageszeitung, 8.3.1979.

50)       Welti (Anm. 1) ist die von Ilg "bearbeitete" Fassung, Welti (Anm. 19) das Original; die folgenden Seitenangaben beziehen sich auf diese Originalfassung.

 

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