In memoriam Dr. Reinhard Mittersteiner

Unser Kollege Reinhard Mittersteiner ist am 4. Jänner 2022 verstorben.

Dr. Reinhard Mittersteiner (1952 – 2022)

Wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag ist unser langjähriger Weggefährte Reinhard Mittersteiner verstorben.

 Reinhard Mittersteiner studierte Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Wien und war  als junger Historiker intensiv mit der Erforschung der Vorarlberger Arbeitergeschichte und der heimischen Sozialdemokratie befasst. Schon damals ging es ihm nicht nur um detaillierte Forschung, sondern ebenso wichtig war ihm die detailgetreue und ästhetisch angemessene Darstellung des Erforschten – in seinen Texten und Publikationen wie in seinen Ausstellungen als Mitglied der Ateliergemeinschaft Spur Wien. 

Als Erforscher der Vorarlberger Arbeiterbewegung hat er Grundsätzliches und Bleibendes geleistet. In erster Linie ist dabei seine umfangreiche Studie „Fremdhäßige“. Handwerker und Genossen – die Entstehung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Vorarlberg (1994) zu nennen. Sie ist als Band 12 der Studien zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs erschienen.

 Bei mehreren Publikationen hat es die Arbeitsteilung Reinhard Mittersteiner (bis 1918), Werner Dreier (Erste Republik und Austrofaschismus) und Werner Bundschuh (ab 1938) gegeben, so etwa bei Sozialdemokraten im Dorf – 100 Jahre SPÖ Hard (9194), Die „Fabrikler“ organisieren sich. 100 Jahre Gewerkschaft Textil, Bekleidung und Leder (1995) oder bei der Darstellung der Geschichte des Vereins Arbeiterheim in Dornbirn (1997).

Mit seinen Arbeiten hat er den Grundstein zur Erforschung der Industriegeschichte seiner Heimatgemeinde Hard gelegt: Davon zeugt der Prachtband Tüchlebarone. Zur Geschichte der Textildruck- und Textilfärberei in Hard (1999). Ohne ihn gäbe es das Textildruckmuseum Mittelweiherburg in Hard nicht.

Reinhard Mittersteiner war bestrebt, seine Forschungen zu visualisieren. Er arbeitete bereits bei der Ausstellung „Im Prinzip:Hoffnung. Arbeiterbewegung in Vorarlberg 1870 – 1946 (1984) mit.

Im gleichen Jahr war er bereits auch in Wien im Ausstellungsteam von "Die Kälte des Februars".

Aus dem Pionier der Vorarlberger Arbeitergeschichtsschreibung wurde einer der gefragtesten Ausstellungsmacher in Österreich. Große Firmen haben ihn vermehrt engagiert, um Ausstellungen zu konzipieren, kuratieren und Kataloge herauszugeben. 2001 erschien z.B. „Kraftfelder. Strom prägt ein Jahrhundert – 100 Jahre VKW“. Er konzipierte u.a. auch die Vorarlberger Museumswelt in Frastanz.

Reinhard Mittersteiner arbeitete bei zahlreichen Landes- und Großausstellungen als Ausstellungsmacher und Museumsexperte.  Passend für ihn ist wohl der Titel einer Ausstellung in Steyr, Verein Museum Arbeiterwelt, aus dem Jahre 1995. „Aus dorfenger Welt ins weltweite Dorf“. Auch den Katalog dazu hat er herausgegeben.

Wir haben mit ihm einen unersetzlichen Freund verloren und behalten ihn in ehrender Erinnerung!

 Der Vorstand

 

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